Das erste Auftragsbuch von 1930, Porsche Museum, 2016, Porsche AG

Das Auftragsbuch gefüllt

Gespräche mit gut 45 kirchlichen Jugendarbeitenden

Die Tour offene kirchliche Jugendarbeit führte mich zu gut 45 kirchlichen Jugendarbeitenden in der Deutschschweiz. Die aufgegriffenen Kernaussagen sowie die aufgefundenen Realitäten der offenen kirchlichen Jugendarbeit ergeben eine sichere Grundlage, die Fachstelle OKJ gezielt auszurichten.

Vorne weg: Die Tour ist zwar beendet, doch Gespräche direkt mit den kirchlichen Jugendarbeitenden werden auch in Zukunft ein zentrales Instrument sein, um die Aufgaben der Fachstelle OKJ bedürfnisorientiert festzulegen. Das Hauptziel der Tour konnte erreicht werden: Aussagen zu können, wofür der Begriff «offene kirchliche Jugendarbeit» stehen muss.

Die Krux mit dem Begriff «offene kirchliche Jugendarbeit»

Das «offen» assoziiert ganz unterschiedliche Vorstellungen: «Wir sind doch grundsätzlich offen für Menschen» bis «offen und kirchlich» geht nicht zusammen. Eine Differenzierung erscheint aufgrund der Tour zwingend erforderlich: Offene Jugendarbeit der kath. Kirche ist nicht gleichzusetzen mit der offenen kirchlichen Jugendarbeit. Ersteres ist eine reine Dienstleistung an der Gesellschaft, welche die kath. Kirche als Trägerin leistet, sich jedoch klar den Anforderungen und Prinzipien der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (siehe doj.ch) zuordnet. Offene kirchliche Jugendarbeit beinhaltet alle Aktivitäten, welche kirchliche Jugendarbeitende Jugendlichen und jungen Erwachsenen in deren Freizeit profiliert anbietet. Sie grenzt sich im organisatorischen Sinne von den kath. Jugendverbänden sowie weiteren Organisationsformen ab, welche eine «unbefristete» Mitgliedschaft beinhaltet. Sie ergänzt somit das Angebot der kath. Kirche gegenüber den Jugendlichen, indem sie «befristetes» Mitwirken ermöglicht. Interaktions- und Kooperationsformen sollen geklärt und gefördert werden.

«Sag‘ nicht was ich tun soll, sondern unterstütze mich bei dem, was ich tue»

Innovation und Entwicklung in der offenen kirchlichen Jugendarbeit kann nur in direkter Zusammenarbeit mit den kirchlichen Jugendarbeitenden vor Ort gelingen. Denn gelingende kirchliche Jugendarbeit funktioniert ausschliesslich über die Persönlichkeiten der Jugendarbeitenden in der Kirche. Diese müssen authentisch ihr «personales Angebot» einbringen und ihre Stärken – ihr Charisma – in die lokalen Gegebenheiten ausspielen können. Viel Innovations- und Entwicklungspotenzial habe ich in den Gesprächen entdeckt. Dieses ist jedoch oft lokal isoliert und kann dadurch nicht verwirklicht werden bzw. erfährt daher keine Verbreitung. Es gilt daher die vorhandenen Ressourcen zu erschliessen und darüber zu erweitern.

Fokussierung auf die inhaltliche und methodische Entwicklung

Die Arbeit der Fachstelle OKJ wird sich aufgrund der Resultate aus der Tour auf die inhaltliche und methodische Arbeitsweise im oben beschriebenen Kontext fokussieren. Hierzu ist die Netzwerkarbeit zu verschiedenen Akteuren in der Jugendarbeit grundlegend. Des weiteren sind erste Schritte getätigt, welche die erforderlichen Ressourcen für Innovations- und Entwicklungsschritte zugänglich machen sollen. Aus einem Pool von kirchlichen Jugendarbeitenden, sowie weiteren spezialisierten Jugendarbeitenden, sollen neue Beteiligungsformen sowie Angebote der kath. Kirche jugendgerecht entwickelt werden. Dabei sollen auch Methoden entstehen, welche die «tiefer gelegenen» Interessen und Bedürfnisse der Jugendlichen gegenüber Glauben, Spiritualität und kath. Kirche erschliessen können. Letztlich gilt es der Diversität der Jugendlichen – mit ihren spezifischen Zugängen und Standpunkten zum Religiösen – gerecht zu werden. Der Salomonische Tempel von Jerusalem bietet mit seinen unterschiedlichen Höfen dazu Orientierung, um die Interessen und Bedürfnisse der Jugendlichen kontextuell  passend zu bespielen.

OKJ richtet sich an alle Jugendlichen der Gesellschaft

Offene kirchliche Jugendarbeit sieht ihre Zielgruppe nicht ausschliesslich bei den kath. Jugendlichen. Sie agiert jedoch mit ihren konfessionell geprägten Profil. Dabei bietet sie ihre Kompetenzen in den Themenbereichen an, welche sie aufgrund ihrer Kirchlichkeit inne hat. Gerade im Bereich des interreligiösen Dialogs, aber auch im Dialog mit sog. Konfessionslosen, stiftet sie einen wichtigen Beitrag an die Gesellschaft. Offene kirchliche Jugendarbeit ist daher stets offen gegenüber Anfragen, Diskussionen und weiteren Auseinandersetzungen über Religion, Glaube, Spiritualität, Kirche, Sinnfragen, Solidarität, Werte usw.

Das Auftragsbuch ist gefüllt, nun gilt es die geplanten Vorgehensweisen mit den Verantwortlichen  der Pastoral und der staatskirchenrechtlichen Körperschaften zu besprechen und die erforderlichen Aufträge einzuholen. Viktor Diethelm, Leiter Fachstelle OKJ