4          Haltungen

Für die Arbeit mit jungen Menschen bestehen Haltungen, welche für die OKJ handlungsweisend sind. Die Haltungen sind für das Profil der OKJ grundlegend und prägen die Begegnungen mit jungen Menschen. Die Haltungen konkretisieren sich in den Gesprächen und Aktionen mit jungen Menschen. Ebenso führen die Haltungen in Verhandlungen und Darlegungen von Anliegen gegenüber Erwachsenen und kirchlichen Gremien zu einer Anwaltschaftlichkeit für junge Menschen.

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4.1      Würde aller Menschen

«Wir sehen, dass es Jesus nicht gefiel, wenn Erwachsene herablassend auf die Jüngeren blickten oder sie in despotischer Weise in Dienst nahmen. Im Gegenteil mahnte er: ‹Der Größte unter euch soll werden wie der Jüngste› (Lk 22,26). Für Jesus war das Alter nicht an Privilegien geknüpft, und wenn jemand jünger war, bedeutete das nicht, dass er weniger wert war oder weniger Würde besaß.» (CV 14)

Die Würde des Menschen ist in der christlichen Anthropologie sowie in der Philosophie fest verankert. Sie ist dem Menschen von Gott unveräusserlich gegeben und philosophisch über die Vernunft, die Moral und die Sittlichkeit (z. B. Kant Der Mensch als «Zweck an sich» darf nie nur «Mittel zum Zweck» sein.) als vorkonstitutionelles Grundrecht des Menschen definiert.

Die OKJ steht für die Menschenwürde in allen Bereichen des Lebens (auch in der digitalen Lebenswelt) ein und engagiert sich gegen Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus und jegliche Formen der Herabwürdigung von Menschen. OKJ bezeugt die unveräusserliche Würde des Menschen aus dem Glauben an Gott und arbeitet mit allen Menschen guten Willens an der Realisierung der daraus resultierenden Menschenrechte.

OKJ sensibilisiert junge Menschen betreffend der «Vielfalt der Würde» und deren menschrechtlichen Verwirklichungen. OKJ zeigt auch die Gefahr des Würdeverlustes durch eigenes Handeln im Sinne einer Selbstentwürdigung durch destruktive Lebensführung auf[1] und weist dadurch darauf hin, dass Menschenwürde nicht ausschliesslich etwas Unveräusserliches ist, sondern Würde auch im eigenen Leben zu realisieren ist.

 

[1] Vgl. Bieri, Peter: Eine Art zu leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde. München: Hanser, 2013.

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4.2      ALLE jungen Menschen

«Ebenso muss es Raum geben für ‹all jene, die andere Lebensvisionen haben, sich zu anderen Konfessionen bekennen oder die erklären, Religion sei ihnen fremd. Alle Jugendlichen sind ohne Ausnahme in Gottes Herz und somit auch im Herzen der Kirche. Wir erkennen jedoch unumwunden an, dass diese Aussage zwar von unseren Lippen erklingt, aber nicht immer wirklich in unserem pastoralen Handeln zum Ausdruck kommt: So verschließen wir uns oft in unseren eigenen Kreisen, zu denen ihre Stimme nicht vordringt, oder kümmern uns um weniger anspruchsvolle, lohnendere Aktivitäten und ersticken dabei jene gesunde pastorale Ruhelosigkeit, die uns aus unseren vermeintlichen Sicherheiten herausführen kann. Doch das Evangelium ruft uns auf, es zu wagen, und das wollen wir, ohne Anmaßung und ohne Proselytismus zu betreiben, tun, indem wir die Liebe des Herrn bezeugen und allen jungen Menschen in der Welt die Hand reichen.›» (CV 235)

«Alle Jugendlichen sind ohne Ausnahme in Gottes Herz und somit auch im Herzen der Kirche.» ist für kirchliche Jugendarbeitende in der OKJ eine Selbstverpflichtung aus dem Glauben an Gott bzw. vom Auftrag der Kirche heraus, sich für alle jungen Menschen zu interessieren und für sie da zu sein. Dies gilt insbesondere auch für all jene jungen Menschen, welche den Glauben an Gott nicht teilen oder ihn ablehnen. Das Interesse am Wohlergehen der jungen Menschen ist nicht von ihrem Glauben oder ihrem Interesse an der Kirche abhängig.

Der grossen Herausforderung alle Jugendliche, die Papst Franziskus in Christus vivit formuliert, will OKJ sich stellen, im Bewusstsein, dass dies nur durch innovative Zusammenarbeit und neue Wege möglich ist sowie Scheitern auf diesem Weg dazugehört. OKJ sieht sich dabei verpflichtet, die erforderliche Sensibilität gegenüber dem Kontext und der verschiedenen Positionen junger Menschen zu Religion, Spiritualität und Glauben zu gewährleisten. So kann sie auch bewusst religiöse Überzeugungen und Glaubensvorstellungen unausgesprochen lassen, um mit jungen Menschen zusammen zu arbeiten. In passenden Settings kann sie wiederum konfessionelle Glaubensvorstellungen einbringen und beispielsweise mit entsprechenden Liturgieformen den Glauben feiern. Gemeinsam mit den jungen Menschen sucht sie jeweils adäquate Formen zwischen den beschriebenen Ausprägungen.

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4.3      Junge Menschen sind Seismographen und Protagonist*innen

«Ich will dich zu diesem Engagement ermutigen, weil ich weiß: ‹Dein Herz, junges Herz, will eine bessere Welt aufbauen. Ich verfolge die Nachrichten der Welt und sehe, dass viele Jugendliche in vielen Teilen der Welt auf die Straßen hinausgegangen sind, um ihrem Wunsch nach einer gerechteren und brüderlicheren Gesellschaft Ausdruck zu verleihen.›» (CV 174)

Die «gesunde Unruhe» (CV 138), die aus der Sensibilität der jungen Menschen entsteht, äussert sich im Wahrnehmen von «Zeichen der Zeit» im Sinne eines Seismographen und verwirklicht sich im Tun und Handeln als Protagonist*in. Junge Menschen wachsen in einer Welt auf, die von vorangegangenen Generationen gestaltet und geprägt wurde. Sie finden sich folglich in einer Welt vor, in der sie sich behaupten und positionieren müssen. Dabei erkennen sie auf ihre eigene Weise die fördernden und hindernden Gegebenheiten sowie die Chancen und Gefahren, welche die vorgestaltete Welt ihnen bietet. Weder haben sie die direkten Erfahrungen, wie es «früher einmal war», noch prägen die Ängste und Erwartungen der Gesellschaft die jungen Menschen im selben Masse wie die älteren Generationen. Dafür steigt mit der Fortschreitung des Heranwachsens das Bewusstsein, diese vorgefundenen Welt zu gestalten und die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen.[1] Ebenso schreiben sie die Errungenschaften der vorangegangenen Generationen fort und konkretisieren diese in der Kirche und der Gesellschaft.[2] Hinzu kommt in der Lebensphase Jugend die entwicklungsbedingt starke Empathie, welche Ungerechtigkeit, menschliches Leiden und Verletzungen der Menschenwürde im verstärkten Masse nachempfinden lässt.[3] Dies macht junge Menschen zu Seismographen für die Gesellschaft und die Kirche. Als Teil der Gesellschaft und der Kirche sind die jungen Menschen «Frühwarnsysteme», die auf zukünftige Unruhen und nötige Umbrüche aufmerksam machen. Werden diese seismographischen Ausschläge ignoriert, wird die Mitgestaltung und die zukünftige Übernahme der Verantwortung gehindert, wenn nicht gar verunmöglicht.

OKJ nimmt junge Menschen als Seismographen ernst und schafft Möglichkeiten, ihre Wahrnehmungen in Resonanzräumen zu reflektieren, damit junge Menschen ihre Sichtweisen mit anderen teilen und bearbeiten zu können. OKJ anerkennt diese «seismografische Funktion» der jungen Menschen, indem sie der «Freude und Hoffnung, Trauer und Angst» (GS 1) der jungen Menschen zuhört und sie weiterträgt, anstatt sie zu beruhigen/vertrösten. Sie sieht darin die erneuernde Kraft durch die jungen Herzen, die sich vom Vorgefundenen berühren lassen und ihrer Betroffenheit Ausdruck verleihen. OKJ sieht sich dazu verpflichtet, der Gesellschaft und der Kirche die seismographische Funktion der jungen Menschen zuzumuten, um gemeinsam nach zukunftstragenden Lösungen suchen zu können.

OKJ sieht junge Menschen als wichtige Protagonist*innen und Multiplikator*innen

Im Kontext der Forderung der Jugendsynode, junge Menschen als Protagonist*innen zu fördern, ergibt sich auch die Sichtweise, junge Menschen als Multiplikator*innen zu betrachten. Sie geben auf ihre Art weiter, was sie erlebt und erfahren bzw. gemeinsam erarbeitet haben. OKJ stellt dafür bedarfsgerechte Möglichkeiten zur Verfügung und unterstützt sie in der Befähigung, selbst für ihre Interessen und Anliegen einzustehen und aktiv zu werden. Dadurch können junge Menschen im Freundeskreis sowie bei Anderen in altersgerechter bzw. authentischer Weise vervielfältigend und verstärkend wirken. Voraussetzung dafür sind das Interesse bzw. die Betroffenheit der jungen Menschen sowie diese in qualitativen Settings vertiefen zu können. Junge Menschen dürfen nie als Überbringer*innen von Inhalten dienen, denen sie nicht zustimmen oder wenig Bezug haben. Ein*e Multiplikator*in weist darum immer eine persönliche Motivation und inhaltliches Interesse auf. Der Wunsch, es an andere weiterzugeben, wächst in jungen Menschen, wenn sie das Thema für wichtig erachten und sich inhaltlich kompetent fühlen.

Daraus ergibt sich der Anspruch an die Qualität der Arbeit der OKJ. Sie leitet sich auch aus der Überzeugung ab, dass junge Menschen die Erfahrungen, erworbenen Kompetenzen und die «Anverwandlung von Welt», welche sie in der Lebensphase Jugend gemacht haben, ein Leben lang wieder- und weitergeben.

 

[1] Als Beispiel kann hier die Klimajugend beigezogen werden, welche die Dringlichkeit der ökologischen Veränderung viel höher bewertet, als ältere Generationen.

[2] Dies zeigt sich in der Forderung nach der Realisierung von Gleichberechtigung der Geschlechter, der Inakzeptanz von Diskriminierung aufgrund von Herkunft, sexueller Orientierung oder der selbstbestimmten Geschlechteridentität.

[3] Vgl. Crone, Eveline: Das pubertierende Gehirn. Wie Kinder erwachsen werden. München: Droemer, 2011.

 

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4.4      Begegnung auf Augenhöhe

«Die Kirche muss junge Menschen stärker in Entscheidungsprozesse einbinden und ihnen verantwortliche Leitungspositionen ermöglichen.»

Dieses Anliegen der 300 jungen Menschen des Vorbereitungstreffens der Jugendsynode 2018 ist für die OKJ und ihre Arbeit zentral. In der Begegnung mit jungen Menschen auf Augenhöhe setzt sich die OKJ ein, dass die prophetischen und kritischen Stimmen der Jugend gehört werden. Die OKJ schafft dafür Räume, in welchen sich junge Menschen an Entscheidungsprozessen beteiligen können.

Jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, sie anzuhören und dies zu wollen ist für die OKJ keine Option, sondern gehört zum Wesen der OKJ. Auch Papst Franziskus erkennt die Dringlichkeit, dass sich in der Kirche «einige Dinge ändern müssen, und zu diesem Zweck muss sie auch die Meinungen und sogar die Kritik der jungen Menschen anhören» (CV 39). Dieser Anspruch ergibt sich theologisch aus einer Prämisse, die die Synodenteilnehmer im Abschlussdokument formuliert haben:

«[W]ir glauben, dass Gott auch heute durch junge Menschen [...] zu Kirche und Welt spricht. Mit ihnen können wir unsere Epoche prophetischer erfassen und die Zeichen der Zeit erkennen; daher sind junge Menschen einer jener ‹theologischer Orte› [...].» (AD 64)

Indem junge Menschen von der Jugendsynode als «locus theologicus» (theologischer Ort) gesehen werden, anerkennt die Jugendsynode junge Menschen als lebendige Orte, in und an deren der authentische Glaube bezeugt wird. Sie tragen und trugen schon immer wesentlich zur Tradierung und Verkündigung des Glaubens bei. Dem versucht die OKJ in der Arbeit und in der Begegnung mit jungen Menschen gerecht zu werden. Sie setzt sich zum Ziel, dass der Glaube junger Menschen ernst genommen wird und auf Wertschätzung stösst.

Jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen bedeutet schliesslich für die OKJ, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit anzustreben und geht mit dem natürlichen Machtgefälle aufgrund unterschiedlicher Rollen sensibel um. Daraus resultiert unter anderem, dass sich die OKJ vehement gegen jegliche Form von Gewalt und Missbrauch einsetzt. Sie klärt junge Menschen über sexualisierte Gewalt und spirituellen Missbrauch in der katholischen Kirche auf und stärkt gleichzeitig die Integrität junger Menschen. Die OKJ vermittelt in diesem Zusammenhang jungen Menschen, dass die Deutungshoheit bei jedem einzelnen Individuum liegt.

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4.5      Synodale Jugendpastoral

«Die Jugendpastoral kann nur synodal sein, das heisst, einem ‹gemeinsamen Vorangehen› Gestalt geben.» (CV 206)

Für die OKJ bedeutet Synodalität[1] in erster Linie das «gemeinsame Vorangehen» junger Menschen unter sich (zu fördern). Sie ermutigt junge Menschen zu synodalen Prozessen, die sich von demokratischen Prozessen insofern unterscheiden, als dass sie mehr auf Konsens anstatt auf Mehrheiten ausgerichtet sind. OKJ anerkennt dabei, dass junge Menschen des Öfteren andere Findungsprozesse und Diskussionsformate als Erwachsene bevorzugen. Darum schafft die OKJ für junge Menschen Räume, in denen sie untereinander Themen und Meinungen bearbeiten und gemeinsam nach konsensfähigen Lösungen und Antworten ringen können, bevor sie damit «nach aussen» treten.

Dialog zwischen den Generationen

OKJ sieht sich verpflichtet den Stimmen der jungen Menschen in der Gesellschaft und Kirche Gehör zu verschaffen und lädt daher immer auch zum Dialog zwischen den Generationen ein, der ein «gemeinsames Vorangehen» zum Ziel hat. Insbesondere setzt sich die OKJ dafür ein, dass junge Menschen in pastoralen und staatskirchenrechtlichen Prozessen der katholischen Kirche repräsentativ vertreten sind. Sie ist daher auf pastoraler Ebene bestrebt, junge Menschen für das ‹gemeinsame Vorangehen› zu motivieren und die erforderlichen Vorprozesse mit jungen Menschen durchzuführen.

 

[1] Synodalität darf gerade im Schweizer Kontext nicht mit den demokratisch verfassten «Synoden» und «Synodalversammlungen» der staatskirchenrechtlichen Körperschaften verwechselt werden. Zum Begriff und Verständnis von Synodalität vgl.

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4.6     Junge Menschen als Verkünder*innen

Ausgangspunkt sind stets die jungen Menschen, mit denen die kirchlichen Jugendarbeitenden bereits in Beziehung sind. Sie sind die Protagonist*innen pastoralen Handelns und nicht zuletzt Verkünder*innen des Evangeliums.

 

Aus ihrer Kreativität und ihren Fähigkeiten entspringen Ideen, wie auf andere junge Menschen zuzugehen ist, um gemeinsam Projekte und Vorhaben zum Wohle der Menschen und der Mitwelt zu verwirklichen. In diesen Erlebnisräumen können junge Menschen ermutigt werden, von ihrer Motivation und ihrem Glauben zu erzählen. Denn sie verfügen über die Sprache «der uneigennützigen, personalen und lebensnotwendigen Liebe, die das Herz berührt, das Leben erreicht, Hoffnung und Sehnsüchte weckt.» (CV 211) In diesen Erlebnisräumen kann der Wunsch nach «Vertiefung des Kerygmas» (CV 213) aufkommen. Dazu bereitet die OKJ entsprechende Resonanzräume vor, in denen die jungen Menschen den Gehalt der christlichen Botschaft für sich selbst erschliessen können, indem sie mit anderen darüber sprechen. Die OKJ unterstützt sie in dieser Vertiefung durch authentisches Sprechen und der Ermutigung, eigene Worte dafür zu finden. Denn sie können letztlich am besten Gott und sein Heilshandeln durch Jesus Christus «verheutigen» und in passender Form anderen jungen Menschen mitteilen.

Papst Franziskus nennt dies «volksnahe Jugendpastoral» (vgl. CV 230-238) und zeigt dabei auf, dass diese «(...) nicht kontrolliert werden kann und alle kirchlichen Schemen sprengt. Begleiten und fördern wir sie, aber maßen wir uns nicht an, sie zu sehr zu regulieren.» (CV 239) OKJ muss jungen Menschen als Protagonist*innen der pastoralen Arbeit fördern, damit diese das Volk[1] zugunsten der Ärmsten, Schwächsten, Benachteiligten und Verletzten einen. Dabei geht es um das Anregen des möglichen Guten in den jungen Menschen und nicht um eine «reine, vollkommene Jugendpastoral, die von abstrakten Ideen gekennzeichnet, weltfern und makellos ist, (...) von den Jugendkulturen losgelöst und nur für eine Elite einer christlichen Jugend geeignet, die sich als etwas anderes fühlt, aber in Wirklichkeit in einer leblosen und unfruchtbaren Isolierung dahintreibt.» (CV 232)

 [1] «Die Gesamtheit von Menschen, die nicht als Einzelpersonen unterwegs sind, sondern als Gefüge einer Gemeinschaft aus allen und für alle.» (CV 231)

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4.7          Mission

OKJ versteht ihr missionarisches Wirken als Evangelisation einerseits und Mission anderseits. Ziel dieses missionarischen Wirkens ist nicht zu «missionieren, taufen und Menschen zu Jesus führen»[1], schon gar nicht erachtet die OKJ Mission als «Bekehrungsfrage»[2]. Leitend für das missionarische Wirken der OKJ ist die Haltung von Michel de Certeau SJ:

«‹Missionarisch› zu sein heisst für die Kirche, zu anderen Generationen, zu fremden Kulturen, zu neuen menschlichen Strebungen zu sagen: ‹Du fehlst mir› – nicht so, wie ein Grundbesitzer über das Feld seiner Nachbarn spricht, sondern wie ein Liebender.»[3]

Evangelisation

Allen jungen Menschen, die über die Motivation und den dahinterliegenden Glauben etwas erfahren möchten, geben kirchliche Jugendarbeitende in der OKJ Rede und Antwort von der Hoffnung, die sie trägt (vgl, 1Petrus 3,15). Sie ermöglichen interessierten jungen Menschen Vertiefungen des Evangeliums und der Tradition der kath. Kirche. Kirchliche Jugendarbeitende verstehen ihr Arbeiten mit jungen Menschen immer auch als Selbstevangelisation, indem sie junge Menschen als einen der «loci theologici» wahr- und ernstnehmen, der sie tiefer in das Evangelium führt[4].

 

Mission

Im Auftrag der kath. Kirche setzt sie sich zum Wohle der jungen Menschen und der Gesellschaft ein. Sie macht dabei die Liebe Gottes, die aus dem Glauben an Jesus Christus empfangen wird, durch die Arbeit der offenen kirchlichen Jugendarbeit jungen Menschen erfahrbar. In der Lebensweise Jesu erkennt sie dabei die Absichtslosigkeit dieser Liebe und erwartet daher keine Gegenleistungen in Form von Übernahmen von Glaubensvorstellungen und -überzeugungen. OKJ versteht die Verwirklichung ihrer Mission in erster Linie in der qualitativen Begegnung mit jungen Menschen. 

Darüber hinaus setzt sich OKJ für junge Menschen mit anderer religiöser Heimat ein, damit diese in ihrem Glauben ebenfalls zu fördernder Begleitung kommen. Im interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit verwirklicht OKJ den missionarischen Auftrag zur Förderung des Friedens unter den Religionen und den Menschen.

 

[1] Meuser, Bernhard; Hartl, Johannes; Wallner, Karl: Mission Manifest. Die Thesen für das Comeback der Kirche. Freiburg im Breisgau: Herder, 2018, 11.

[2] Wittal, Markus: Uns bewegt die Sehnsucht, dass Menschen sich zu Jesus Christus bekehren, in: Meuser, Bernhard; Hartl, Johannes; Wallner, Karl: Mission Manifest. Die Thesen für das Comeback der Kirche. Freiburg im Breisgau: Herder, 2018, 64.

[3] Michel de Certeau, GlaubensSchwachheit, Stuttgart 2009, 105.

[4] Vgl. CV 39: «Um in den Augen der jungen Menschen glaubwürdig zu sein, muss sie [die Kirche] zuweilen die Demut wieder zurückgewinnen und einfach zuhören, und in dem, was andere sagen, ein Licht erkennen, das ihr helfen kann, das Evangelium tiefer zu verstehen.»

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