3.3     Soziale Arbeit

Soziale Arbeit ist eine wissenschaftliche Disziplin und eine praxisorientierte Profession, die sich den Prinzipien der Gerechtigkeit, der Menschenrechte, der gemeinsamen Verantwortung und der Achtung der Vielfalt widmet. Es geht dabei um Menschen und Strukturen, um die Bewältigung der existenziellen Herausforderungen sowie die Verbesserung des Wohlergehens. Für die OKJ ist sie daher eine zentrale Bezugswissenschaft und eine integrale Profession. Die Soziale Arbeit verhilft der OKJ die Strukturen und Gegebenheiten, in denen junge Menschen aufwachsen und ihre Entwicklungsaufgaben zu erfüllen haben, zu erkennen und zu verstehen. Die dabei auftretenden Entwicklungsprobleme und Problemverhalten können dank der Sozialen Arbeit eingeordnet und durch adäquate Unterstützung bearbeitet werden. Ebenso zeigt die Soziale Arbeit die Grenzen der OKJ auf und weist entlastend auf die professionelle Hilfe der Sozialen Arbeit hin.

Die Erkenntnisse und das Know-How der Soziokulturellen Animation und der Sozialpädagogik als Teilgebiete der Sozialen Arbeit sind für die OKJ fundamental für ihre Arbeit. Sie ermöglichen der OKJ einen Zugang zu jungen Menschen, der auf Erfahrungswissen und Wissenschaft basiert.

Exkurs: Jugend als eigenständige Lebensphase

Die Jugendsoziologie macht deutlich, dass die Jugendphase weder eine Verlängerung der Kindheitsphase noch eine Durchgangsphase zum Erwachsenenalter ist. Die Jugendphase beinhaltet die Bewältigung der zunehmend selbst zu tragenden und selbst zu gestaltenden Rollenübernahme in der Schul- oder Berufsausbildung, beim Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungsstrukturen und Sozialkontakte, in der Teilhabe an Freizeit und Konsum sowie im Bereich der öffentlichen und politischen Partizipation. (Hurrelmann)

Der sozialpädagogische Zugang stellt die Frage nach der Bewältigung dieser Rollenübernahme und den Bewältigungskonflikten, die bei Jugendlichen auftreten. Die sozialpädagogische Frage richtet sich also auf die situative und biografische Handlungsmöglichkeit. Sie lässt folglich die Lebens- und Alltagswelten Jugendlicher in den Vordergrund treten und zeigt dabei auf, dass sich die Jugendphase für einzelne Jugendliche biografisch und sozial ganz unterschiedlich darstellt.[1]

Die Soziokulturelle Animation macht darauf aufmerksam, dass der Mensch nicht einfach so ist wie er erscheint, sondern sich immer auch abhängig von seinem Umfeld verhält. Die Soziokulturelle Animation versteht sich daher in der Zwischenposition von System und Lebenswelt (Habermas – Theorie des kommunikativen Handelns). In der Zwischenposition nimmt sie die Bedürfnisse und Ansprüche der Lebenswelt auf und vermittelt gegenüber dem System. Im gelingenden Falle finden Anpassungen im System statt, welches in der Lebenswelt der einzelnen oder Gruppen eine Verbesserung ihrer Situation auslöst.[2]

Für die OKJ zeigt dieses exemplarische Beispiel auf, dass Jugendarbeit eine zentrale Arbeit ist, welche den (jungen) Mensch in einer prägenden Lebensphase unterstützend zu begleiten hat. Das Beispiel sensibilisiert gleichzeitig gegenüber dem individuellem Erleben und Bewältigungsprofil in dieser Lebensphase. Es zeigt auf, dass nicht nur mit dem Individuum bzw. der Gruppe gearbeitet werden soll, sondern stets das System involviert werden muss. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das System die Lebenswelt (das Individuum bzw. die Gruppe) kolonialisiert[3].

 

[1] Vgl. für die Ausführungen bis hierher: Sozialpädagogik der Lebensalter, Der sozialpädagogische Zugang zur Jugend, S. 135f

[2] Vgl. Soziokulturelle Animation, Bernhard Wandeler (Hrsg.), Interact, Luzern 2010: Annette Hug, Eine Praxis der alltäglichen Demokratie (Zwischenposition), S. 210 sowie Gabi Hangartner Ein Handlungsmodell für die Soziokulturelle Animation zur Orientierung für die Arbeit in der Zwischenposition, 265 -322

[3] ebd. S. 277