3.5      Bibel

Die Bibel zeichnet ein vielfältiges, aber dennoch deutliches Bild des Menschen. In der Ebenbildlichkeit Gottes (vgl. Gen 1,27) kommt die unwiderrufliche Würde jedes Menschen zum Ausdruck, welche in der Geschichte von Gott mit den Menschen fundamental ist. Die Exodusgeschichte bzw. -erfahrung des Volkes Israels macht zusätzlich deutlich, dass Gott den Menschen in Freiheit sieht, worauf sich Gott im ewigen Bund mit den Menschen als Hirte an die Seite aller Menschen stellt, damit es ihnen an nichts fehlt (vgl. Ps 23,1).

Paulus würdigt die unterschiedlichen Gaben und Charismen der Menschen, die alle durch den Geist bewirkt sind (vgl. 1 Kor 12,4-11). Nicht nur betont er die Vielfalt an Gaben und Charismen; Paulus streicht die Notwenigkeit aller Glieder heraus, die den einzigen Leib bilden (vgl. 1 Kor 12,12). «Der Kopf kann nicht zu den Füssen sagen: Ich brauche euch nicht. Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich.» (1 Kor 12,22). Es ist dies eine radikale Fassung eines Kooperationsmodells, in welchem Paulus ressourcenorientiert denkt: alle haben Gaben und Charismen, dadurch soll sich niemand ausgeschlossen fühlen. Gerade die Schwächeren und Ausgegrenzten gehören dazu, was nochmals in der Taufüberzeugung im Galaterbrief verdichtet wird:

«Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‹einer› in Christus Jesus.» (Gal 3,27f.)

In den Pastoralbriefen richtet sich der Blick speziell auch auf junge Menschen. In 2 Tim 2,22 wird in der Angst vor Irrlehren und der Gefahr, ihnen verfallen zu können, die Jugend eindringlich gemahnt: «Flieh vor den Begierden der Jugend [...].» Dem liegt ein Modell der Jugend zu Grunde, welches defizitär war und in der Tradition des Aristoteles lag. Nach ihm hatte der junge Mensch gegenüber einer erwachsenen Person noch nicht das rechte Mass erlangt. Gleichzeitig schreibt Paulus in seinem ersten Brief an Timotheus im Kontext der Leitung von Gemeinden, dass ihn niemand aufgrund seiner Jugend geringschätzen und er selber zum Vorbild der Glaubenden werden soll (vgl. 1 Tim 4,12). Insofern wird der Jugend einiges zugetraut, sogar die Leitung einer Gemeinde.