3.8      Christus Vivit

Im dritten Kapitel «Ihr seid das Jetzt Gottes» (vgl. CV 64-110) schreibt Papst Franziskus, dass junge Menschen keine Kinder mehr sind, sondern sich in einem Lebensabschnitt befinden, im dem sie anfangen, verschiedentlich Verantwortung zu übernehmen und mit Erwachsenen an den Entwicklungen von Familie, Gesellschaft und Kirche mitwirken. Dabei verweist er auf die Haltung Jesu, bereitwillig und wirklich zuzuhören, anstatt vorgefertigte Antworten und Patentrezepte zur Stelle zu haben. Junge Menschen haben neuartige Fragen und in manch Provokationen liegen neue Wege und Möglichkeiten für die gesamte Kirche und Gesellschaft. In ihrer Vielfalt sind junge Menschen nicht auf «die Jugend» zu reduzieren, sondern stets aufgrund ihrer Kontexte und Kulturen zu betrachten. Dabei gilt es, Jugendlichkeit nicht einfach zu idealisieren und die Vereinnahmung dieser durch die Erwachsenenwelt kritisch zu hinterfragen. «Das Schönheitsideal ist jung, aber seien wir vorsichtig, denn das ist kein Lob für junge Menschen.» (CV 79) Der Fragilität in diesem Lebensabschnitt muss ebenso grosse Aufmerksamkeit geschenkt werden und den Ursprüngen von Leid und Schmerz auf den Grund gegangen werden, um sie zu überwinden. Der Missbrauch in verschiedenen Formen betrifft insbesondere junge Menschen, die in ihrer Entwicklungsphase neugierig, extrem, polarisierend usw. sein können und dadurch auch anfällig für Indoktrination, Manipulation, Instrumentalisierung und Abhängigkeiten sind.

Das dritte Kapitel von Christus vivit fordert einen differenzierten Blick auf junge Menschen, der weder idealisiert noch die Gefahren und Realitäten von Schmerz und Leid bagatellisiert. Die Herausforderung in der Arbeit mit jungen Menschen ist das richtige Mass zwischen «keine Kinder mehr» und «noch keine gefestigten Erwachsenen» zu finden. Wenn Papst Franziskus zur Freundschaft mit Jesus Christus einlädt (vgl. CV 150-157), dann zeichnet er eine beständige, feste und treue Beziehung, die den Menschen reifen lässt. Diese unverbrüchliche Freundschaft geht in die freud- und leidvollen Lebensbereiche mit dem jungen Mensch und zeichnet sich durch Ehrlichkeit und Zutrauen aus.