3.2      Entwicklungspsychologie

Die Lebensphase Jugend stellt für jeden Menschen eine sowohl prägende als auch herausfordernde Zeit dar. In der Auseinandersetzung mit und Bewältigung von bestimmten Entwicklungsaufgaben[1] entwirft der junge Mensch u.a. sein eigenes Werte- und Normensystem, ein ethisches und politisches Bewusstsein, gewinnt an Unabhängigkeit von Erwachsenen und entwickelt seine körperliche und geschlechtliche Identität. Die Identitätsarbeit junger Menschen[2] als essentielle Aufgabe der Lebensphase Jugend wirkt sich weiter auf das moralische Urteilen[3] und die religiöse Identität aus.

Hinsichtlich der Bildung religiöser Identität von Kindern bzw. jungen Menschen haben Oser/Gmünder und James W. Fowler[4] grundlegende Forschungsarbeit geleistet, die die «religiöse Entwicklung» (Oser/Gmünder, 1984) von Menschen stufentheoretisch versucht zu skizzieren. Die Modelle helfen religiöse Entwicklungsprozesse gerade bei jungen Menschen nachzuvollziehen und die Arbeit mit jungen Menschen entsprechend zu gestalten. Neuere wissenschaftliche Arbeiten versuchen weniger von einer religiösen Entwicklung auszugehen, die Stufen durchläuft. Heinz Streib beispielsweise spricht von «religiösen Stilen»[5] und versucht dabei die religiöse Einstellung junger Menschen ganzheitlich zu betrachten und in den gesamten Lebenszusammenhang einzubetten.

Das Konzept der Entwicklungsaufgaben und die verschiedenen entwicklungspsychologischen Modelle helfen jugendspezifische Verhaltensweisen einzuordnen und zu verstehen. Dabei ist es wichtig, dass sich junge Menschen stets als Subjekte ihres eigenen Lebens erfahren können.

 

[1] Vgl. dazu Hurrelmann, Klaus; Quenzel Gudrun: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Weinheim: Beltz Juventa, 2016.

[2] Vgl. dazu die «Entwicklungsphasen der Identität» nach Erik H. Erikson (1973)

[3] Vgl. dazu die «Stufen des moralischen Urteilens» nach Lawrence Kohlberg (1971)

[4] «Theorie der Glaubensentwicklung» (1981, 2000)

[5] Vgl. dazu «Faith Development Theory Revisited. The Religious Styles Perspective» (2001)