6                   Kernziele

Die Kernziele beschreiben jene Art von Wirkungszielen, welche in der OKJ als «Meta-Ziele» durchgehend verfolgt werden. Sie sind daher für die Arbeit mit jungen Menschen richtungsweisend, auch wenn andere Wirkungsziele im Vordergrund stehen. Kernziele gehen immer von den jungen Menschen aus und werden im jeweiligen Kontext entsprechend berücksichtigt. Sie zielen auf die Entwicklung der jungen Menschen und erzeugen über die Handlungen der jungen Menschen Wirkungen in Kirche und Gesellschaft. Die Kernziele zeigen jenen angestrebten Mehrwert auf, welche junge Menschen aufgrund der Beteiligung in der OKJ erleben und im Rückblick auch als Mehrwert identifizieren. Für Kirche und Gesellschaft wird der Mehrwert erkennbar, indem durch die jungen Menschen Veränderungen hervorgerufen werden, die das Zusammenleben fördern und die kirchlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen konstruktiv angehen.

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6.1           Selbstwirksamkeit steigern

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Ausgangspunkt ist stets der junge Mensch mit seinen Fertig- und Fähigkeiten, auf denen die Arbeit der OKJ mit jungen Menschen basiert. Dabei ermutigt sie junge Menschen, ihrem Interesse, ihrer Betroffenheit oder ihrem Bedürfnis entsprechend aktiv zu werden. OKJ schafft in der Zusammenarbeit mit den jungen Menschen entsprechende Möglichkeiten, welche dazu animieren, Vorhaben zu wagen, auch wenn noch nicht klar ist, ob die bestehenden Kompetenzen dafür ausreichen. Junge Menschen sollen in diesen Prozessen selbst entscheiden, welche weiteren bzw. vertiefenden Kompetenzen sie erwerben möchten. Die intrinsische Motivation der jungen Menschen ist daher für die OKJ von zentraler Bedeutung, damit junge Menschen in den informellen Bildungssettings ihre Kompetenzen (weiter-) entwickeln bzw. ihr Wissen ausbauen können. Folglich ist es wichtig, dass die Umsetzungen für junge Menschen eine hohe Relevanz ausweisen, in ihrer Lebenswelt verankert sind und aufgrund ihres Engagement erkennbare Wirkungen sichtbar werden.

OKJ sieht sich primär als Akteurin der informellen Bildung, welche aus einem ganzheitlichen Bildungsverständnis entspringt. OKJ erachtet die informelle Bildung als wichtige Ergänzung zur schulischen Grund-, und tertiären Aus- und Weiterbildung.[1] Informelle Bildung basiert auf Herausforderungen und Aufgaben des Alltags, welche es zu meistern gilt und in der ehrenamtlichen/freiwilligen Tätigkeit. Daraus ergeben sich Lernmöglichkeiten, die relevante Anreize für den Erwerb von Kompetenzen und der individuellen Entfaltung des Menschen beinhalten. Informelle Bildung beruht auf Freiwilligkeit und intrinsischer Motivation. Daher verzichtet die OKJ jungen Menschen vorzugeben, über welche Kompetenzen sie aufgrund ihres Alters bzw. Entwicklungsstandes verfügen sollten. Vielmehr schafft sie in ihren Settings eine Atmosphäre, die zur Weiterentwicklung des eigenen Kompetenzprofils animiert bzw. zu vertieftem Wissen motiviert.

Für Aufgaben, Teamfunktionen oder Vertiefungen in Glaube und Religion bietet die OKJ entsprechende Bildungsmöglichkeiten an oder verweist auf Möglichkeiten aus ihrem Netzwerk. Diese Bildungsmöglichkeiten können auch non-formale Bildung enthalten, also Abschlüsse durch geprüfte Leistungen. Ziel dabei ist, dass junge Menschen dadurch die erforderliche Sicherheit erlangen und das Vertrauen in sich gewinnen.

Junge Menschen sollen durch ihre Beteiligung in der OKJ erleben, dass sie durch ihre Handlungen Wirkung erzeugen können. Die aktive Teilhabe von jungen Menschen in der OKJ bewirkt bei jungen Menschen Selbstwirksamkeitserfahrungen. Sie nehmen wahr, wie sie durch ihr Engagement Einfluss auf die Lebens- und Glaubenslage[2] nehmen können. Das Kernziel «Selbstwirksamkeit steigern» beinhaltet eine herausfordernde Haltung gegenüber jungen Menschen, welche die stärkende Entwicklung von jungen Menschen zum Ziel hat. Das gesteigerte Vertrauen in sich selbst soll sie für bestehende und zukünftige Herausforderungen in ihrem Leben, im Zusammenleben in Kirche und Gesellschaft und der Wahrung einer lebensdienlichen Mitwelt rüsten. Die Kirche und die Gesellschaft erfahren durch den Einbezug der jungen Menschen, dass sie relevante Akteur*innen für die Gegenwart und Zukunft sind.

 

[1] Aufgrund der staatliche anerkannten Abschlüsse zählen die schulische Grund-, und die tertiäre Aus- und Weiterbildung zur formalen Bildung. Vgl. dazu https://doku.berufsbildung.ch/download/dokubb/html/sites/6.5.1.html sowie https://www.sbfi.admin.ch/dam/sbfi/de/dokumente/grafik.1.pdf.download.pdf/grafik.pdf.

[2] Siehe dazu Kapitel 3.4 «Religionssoziologie».

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6.2           Solidarität verwirklichen

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OKJ anerkennt die solidarische Grundhaltung und achtet das hohe Empathievermögen junger Menschen. OKJ nimmt dabei die Sensibilität von jungen Menschen gegenüber Ungerechtigkeiten und lebenshemmenden Umständen ernst und fördert die aktive Solidarität. OKJ situiert dabei die Solidarität im Erkennen eines Sinnes des Engagements. Einen Sinn zu erkennen setzt Kräfte frei, sich für ein Anliegen einsetzen oder engagieren zu wollen. Sinnhaftigkeit sieht OKJ immer auch vor dem Hintergrund der eigenen Berufung.[1] Darum arbeitet die OKJ zusammen mit jungen Menschen Aktionen und Projekte aus, die dem Anliegen der jungen Menschen entsprechen. Im Engagement für das Gemeinwohl liegt die «persönliche Mission auf der Erde» (Papst Franziskus), die Sinnstiftend wirkt. «Es geht nicht einfach darum, etwas zu tun, sondern es mit Sinn und Ziel zu tun.» (CV 257) So soll die Sensibilisierung gegenüber Ungerechtigkeit und Missstände stets ein Zwischenziel sein, das junge Menschen zu Engagement führt und ihre eigene Existenz immer auch als Existenz für die Anderen erkennen lässt. (vgl. CV 254-258)

In der Zusammenarbeit mit jungen Menschen ergeben sich verschiedene Verwirklichungsformen von Solidarität. Junge Menschen mit den gleichen «projektbezogenen Interessen» (z.B. bewilligter Aufenthalt auf dem Kirchenareal auch am Abend) solidarisieren sich miteinander, um gemeinsam in bestimmten Situationen Wirkung zu erzielen oder ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Diese Solidarität ist von beschränkter Dauer, da sie zweckgerichtet ist. Ist der gewünschte Zustand bzw. das Ziel erreicht oder die Aktion beendet, löst sich die Interessen-Solidarität meist auf.

Junge Menschen solidarisieren sich auch aufgrund einer gemeinsamen Gesinnung. Die Sorge um das Klima, das Pflegen von bestimmten Gebetsformen oder Glaubenspraktiken, der Bedeutung des interreligiösen Dialog nachgehen oder das zu Tage bringen von strukturellen Ungerechtigkeiten usw. führen junge Menschen in ein Einheitsbewusstsein, das sie zu einer Gruppen zusammenführt. Diese «Solidarität der Gesinnung» ergibt sich oft durch den Dialog untereinander. Sie beruht auf gemeinsamen Ideen und Werten, die weiterentwickelt werden und ein «Wir für... Gefühl» erzeugen. Das Bewusstsein der Einheit als Gruppe bringt Solidarität untereinander hervor, die durch gegenseitig freiwillige Verpflichtung zu gemeinsamen Leistungen führen. Sie kann aber auch Gefahr laufen, in eine Gruppendynamik zu kippen, welche ein «Wir gegen die...» oder eine elitäre Selbsterhöhung zur Folge hat.

Schicksalshafte Ereignisse, bedrückende Biographien, beschämende Erkenntnisse oder vor Augen tretende Not führen junge Menschen zu Solidaritätsaktionen, welche ein engagiertes Entgegenwirken realisieren wollen. Sie solidarisieren sich aufgrund der eigenen (emotionalen) Betroffenheit mit den Betroffenen und engagieren sich mit ihren Kräften und Möglichkeiten für die Linderung oder Verbesserung der Situation. Gleichzeitig entsteht eine Solidarität untereinander, die Motivation erzeugt und die gegenseitige Abhängigkeit erlebbar macht, um ein wirkungsvolles Resultat zu erreichen. In dieser Wechselwirkung zwischen solidarisch gegenüber Betroffenen sein und Solidarität untereinander, erleben junge Menschen, dass das Engagement für Andere beglückende Gefühle hervorbringen kann. Dabei kann auch die Gefahr bestehen, dass Solidaritätsaktionen zu reinen Abenteuern verkommen, welche die reale Not der Betroffenen marginalisiert.

OKJ begegnet Solidarität differenziert und regt junge Menschen an, über die Beweggründe, dahinterliegenden Wertvorstellungen und ihr Verständnis von Solidarität nachzudenken und in den Austausch zu kommen. Initiativen, Aktionen und Projekte sollen daher auch immer reflektiert werden, um die damit zusammenhängenden Dynamiken zu erkennen und die Sinnhaftigkeit der Solidarität für die eigenen Wertvorstellungen erschliessen zu können. OKJ verzichtet auf plumpe, (christlich motivierte) Moralapelle, welche solidarisches Handeln einfordern. Vielmehr regt sie zum weiten und aufmerksamen Blick auf die realen politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen und Gegebenheiten an. Sie scheut dabei auch nicht das Ansprechen der realistischen Begrenztheit des solidarischen Handelns in den immer unüberschaubarer werdenden globalen Verhältnissen.[2]

OKJ verhält sich zu jungen Menschen solidarisch und legt somit einen erlebbaren Grundstein, was Solidarität zwischen Menschen für Auswirkungen erzeugt. Junge Menschen haben wie alle Menschen einen natürlichen individuellen Egoismus, der durch die Kraft der Solidarität gezügelt werden will. Der Reich Gottes-Theologie und der «Lebensweise Jesu von Nazareth» (Synode 72) folgend wirkt OKJ in Zusammenarbeit mit den jungen Menschen gegen lebenshemmende Umstände und engagiert sich für «Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.» (Magna Charta 2.4) Sie schafft dadurch Möglichkeiten des solidarischen Handelns[3] und darin Erkenntnisse zu erschliessen. Momentane Nachteile oder nicht direkt gewinnbringende Investitionen (Zeit, Energie usw.) gehören zum solidarischen Handeln, können längerfristig jedoch dem Eigeninteressen nutzen.

Das Kernziel «Solidarität verwirklichen» beinhaltet die Überzeugung, dass junge Menschen wirksam handeln können und für das Gemeinwohl gewinnbringend sind. Es führt jungen Menschen die gegenseitigen Abhängigkeiten und Bedingtheiten in der Welt vor Augen und lässt sie erfahren, dass sie Teil eines grossen Ganzen sind. Das Kernziel «Solidarität verwirklichen» fördert folglich bei jungen Menschen das Vertrauen, dass sie durch die Solidarität anderer in diesem grossen Ganzen aufgehoben sind. Dieses Vertrauen wird durch die Tatsache verstärkt, dass durch gemeinsames Engagement das Bewusstsein wächst, dass auch andere solidarisch sind. Die eigene Existenz als «Dein Für-die-anderen-da-Sein» (Papst Franziskus in CV) zu erleben soll bei jungen Menschen das Vertrauen ins Leben und die Mitmenschen stärken, dass andere mit ihrer Existenz für mich da sind und da sein werden.

 

[1] Berufungsprozesse beinhalten auch die Klärung, mit was bzw. mit wem soll ich mich solidarisieren? Wohin soll mein Engagement gerichtet sein, damit es mit den Anliegen in meinem Innersten und meinen erkannten Fähigkeiten überreinstimmt?

[2] Vgl. Schlag, Thomas, Brinkmann, Frank Thomas, Art. Solidarität, in: Wissenschaftlich Religionspädagogisches Lexikon im Internet (www.wirelex.de), 2016

[3] Auch hier agiert die OKJ im Bewusstsein, dass sie starke Erlebnisse schaffen kann, die Erfahrung jedoch durch Prozesse des Subjekts entstehen muss. Solidarisches Handeln kann auch zu Frustration oder dem Gefühl von ausgenutzt, nicht wertgeschätzt werden führen. Diese Realitäten müssen wie positives Erleben von solidarischem Handeln reflektiert werden, damit das Subjekt das Erlebte verarbeiten kann und daraus Erfahrungen erwachsen können, die Leben-stärkend wirken.

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6.3           Mitgestaltung fördern

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OKJ anerkennt die für Kirche und Gesellschaft relevante Funktion von jungen Menschen als Seismographen[1] bezüglich fördernden oder hinderlichen Realitäten. Junge Menschen (re-)agieren auf Vorgefundenes der Gegenwart mit einem in die Zukunft gerichteten Blick, der vom Bewusstsein durchdrungen ist, die vorgefundenen Umstände zukünftig tragen zu müssen. Durch den Prozess der «Anverwandlung der Welt»[2] drängt sich ein Dialog zwischen den Generationen auf, in dem die Generationen, welche die Welt bis anhin gestaltet haben, mit der Generation, die darin aufwächst und sie in zunehmenden Masse gestalten wird, in eine Resonanzbeziehung treten können.

Junge Menschen sind die Protagonist*innen ihrer Lebens- und Glaubenswelt und prägen die Belange ihrer Generation in einem hohen Masse. Dabei kommt es unausweichlich zu Überschneidungen und Konflikten mit der Erwachsenenwelt, die den bestimmenden Anteil in Kirche und Gesellschaft ausmacht. Junge Menschen bringen mit ihren Talenten, Fähigkeiten und ihrer Kreativität wichtige Bewegungen in die Entwicklungen von Kirche und Gesellschaft und sind dabei bereit, Verantwortung zu übernehmen. Diese Dynamik gilt es in Kirche und Gesellschaft aufzunehmen und jungen Menschen Mitgestaltung zu ermöglichen. Der Einbezug von jungen Menschen in Entscheidungen und Entwicklungen verhindert, dass Überholtes das Leben negativ beeinflusst und fördert die generationenverbindende Mitverantwortung für Kirche und Gesellschaft.

Die seismographische Funktion von jungen Menschen zeigt sich nicht als ablesbaren Kurvenverlauf, der eindeutigen Aufschluss über sich anbahnende Unruhen gibt. OKJ versteht sich daher als Anzeigeinstrument der seismographischen Fähigkeit junger Menschen. Sie erörtert bei jungen Menschen die Hinweise, welche Aufschluss über ihr Befinden und ihre Wahrnehmungen geben. Dabei sucht sie in Gesprächen und Beobachtungen nach Gründen für Unbehagen, Desinteresse, Begeisterung, Schweigen, Murren, Interesse, Ablehnung usw. OKJ befähigt darin junge Menschen, ihre Wahrnehmungen zu formulieren und kundzutun, um Förderndes zu bewahren oder frühzeitig auf den Bedarf nach Veränderungen hinzuweisen. Gleichzeitig sensibilisiert sie junge Menschen für unterschiedliche Realitäten und überlässt dabei die Deutung bzw. Beurteilung den jungen Menschen. Sie verzichtet darauf, die seismographische Funktion von jungen Menschen zu justieren, sondern bringt die jungen Menschen mit ihren Deutungen und Beurteilungen untereinander in den Austausch.

«Es sind junge Menschen, welche die Protagonisten, die Hauptdarsteller der Veränderung sein wollen. Ich bitte euch, lasst nicht zu, dass andere die Hauptdarsteller der Veränderung sind! Ihr seid die, denen die Zukunft gehört!» (CV 174)

«Junge Katholiken sind nicht nur die Zielgruppe pastoralen Handelns, sondern lebendige Glieder des einen kirchlichen Leibes, Getaufte, in denen der Geist des Herrn lebt und wirkt. Sie tragen dazu bei, das zu bereichern, was die Kirche ist, und nicht nur das, was sie tut. Sie sind ihre Gegenwart und nicht nur ihre Zukunft. Junge Menschen sind Protagonisten bei vielen kirchlichen Aktivitäten, bei denen sie ihren Dienst großherzig anbieten.» (AD 54)

Die Jugendsynode hat junge Menschen als relevante Protagonist*innen für die Kirche und Gesellschaft anerkannt. OKJ fördert junge Menschen, Hauptdarsteller*innen in den Bereichen zu sein, welche durch ihre seismographische Kompetenz für sie relevant sind/werden. Dabei schafft die OKJ zusammen mit jungen Menschen Erlebnisräume, in denen sie Protagonist*innen sind und dies darin durch grosse Eigenständigkeit im Entscheiden und Handeln erleben können. Dabei leitet sie die Haltung, dass junge Menschen möglichst selbst die Protagonist*innen der OKJ sind und massgebend an der Ausgestaltung der OKJ beteiligt sind. OKJ wird dann zu einem Ort für junge Menschen, wenn junge Menschen erleben, dass OKJ ihr Raum ist, in dem sie ausprobieren und ihre Ideen, Talente und Kreativität verwirklichen können.

OKJ fordert von Kirche und Gesellschaft deshalb ein, junge Menschen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und Mitgestaltung durch junge Menschen zu realisieren[3]. Sie zeigt Möglichkeiten der echten Teilhabe von jungen Menschen in kirchlichen Gremien und Entscheidungsprozessen auf und fordert adäquate Formate der Beteiligung von jungen Menschen ein. Gemeinsam mit ihren Netzwerkpartner*innen engagiert sie sich dafür, dass junge Menschen auch an gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen und Veränderungen partizipieren können.

Der Anspruch an die Qualität leitet sich auch aus der Überzeugung ab, dass die in der Lebensphase Jugend gemachten Erfahrungen, erworbenen Kompetenzen und die «Anverwandlung von Welt», zum festen Bestandteil der Persönlichkeit werden. Im Kontext der Forderung der Jugendsynode, junge Menschen als Protagonist*innen zu fördern, ergibt sich ebenfalls die Sichtweise, junge Menschen als Multiplikator*innen zu betrachten. Sie geben auf ihre Art weiter, was sie empfangen haben und können dadurch im Freundeskreis sowie bei anderen jungen Menschen in altersgerechter Weise vervielfältigend und verstärkend wirken. Voraussetzungen dafür sind die Interessen bzw. die Betroffenheit der jungen Menschen und die Vertiefung dieser in qualitativ gut ausgestalteten Settings. Junge Menschen dürfen nie als Überbringer*innen von Inhalten dienen, denen sie nicht zustimmen oder wenig Bezug haben. Ein*e Multiplikator*in weist darum immer eine persönliche Motivation und inhaltliches Interesse auf. Der Wunsch, es an andere weiterzugeben, wächst in jungen Menschen, wenn sie das Thema für wichtig erachten und sich inhaltlich kompetent fühlen.

Junge Menschen erleben in der OKJ, dass sie zur Mitgestaltung von Kirche und Gesellschaft erwünscht und erforderlich sind. Der Miteinbezug von jungen Menschen in Entscheidungsprozesse und deren Umsetzungen bewirkt bei den jungen Menschen ein verstärktes Interesse, gesteigerte Übernahme von Verantwortung und schafft Identität zur Kirche und gesellschaftlichen Angelegenheiten. Das Kernziel «Mitgestaltung fördern» beinhaltet die Überzeugung, dass die echte Teilhabe von jungen Menschen an Kirche und Gesellschaft nicht nur von der Erwachsenenwelt zugelassen[4] wird, sondern durch die Anerkennung des gegenseitigen gestifteten Mehrwerts ernsthaft gesucht und vollzogen werden muss. Das Kernziel «Mitgestaltung fördern» stärkt dabei die Entwicklung der jungen Menschen, indem es Mitgestaltung und Übernahme von Verantwortung als feste Bestandteile des Lebens einübt. Daraus erwachsen für die jungen Menschen Kompetenzen, die für ihre Lebensgestaltung wichtig sind und ihre Selbstständigkeit stärken.

 

[1] Vgl. dazu Kapitel 4.3 «Junge Menschen sind Seismographen und Protagonist*innen»

[2] Vgl. dazu Kapitel 2 «Bezugsrahmen der OKJ»

[3] Vgl. Kapitel 5.5 «Partizipative OKJ»

[4] Die Mitgestaltung von junge Menschen darf nicht als Spielwiese, die von Erwachsenen gutmütig jungen Menschen zur Verfügung gestellt wird, verstanden werden.

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