4.4      Begegnung auf Augenhöhe

«Die Kirche muss junge Menschen stärker in Entscheidungsprozesse einbinden und ihnen verantwortliche Leitungspositionen ermöglichen.»

Dieses Anliegen der 300 jungen Menschen des Vorbereitungstreffens der Jugendsynode 2018 ist für die OKJ und ihre Arbeit zentral. In der Begegnung mit jungen Menschen auf Augenhöhe setzt sich die OKJ ein, dass die prophetischen und kritischen Stimmen der Jugend gehört werden. Die OKJ schafft dafür Räume, in welchen sich junge Menschen an Entscheidungsprozessen beteiligen können.

Jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, sie anzuhören und dies zu wollen ist für die OKJ keine Option, sondern gehört zum Wesen der OKJ. Auch Papst Franziskus erkennt die Dringlichkeit, dass sich in der Kirche «einige Dinge ändern müssen, und zu diesem Zweck muss sie auch die Meinungen und sogar die Kritik der jungen Menschen anhören» (CV 39). Dieser Anspruch ergibt sich theologisch aus einer Prämisse, die die Synodenteilnehmer im Abschlussdokument formuliert haben:

«[W]ir glauben, dass Gott auch heute durch junge Menschen [...] zu Kirche und Welt spricht. Mit ihnen können wir unsere Epoche prophetischer erfassen und die Zeichen der Zeit erkennen; daher sind junge Menschen einer jener ‹theologischer Orte› [...].» (AD 64)

Indem junge Menschen von der Jugendsynode als «locus theologicus» (theologischer Ort) gesehen werden, anerkennt die Jugendsynode junge Menschen als lebendige Orte, in und an deren der authentische Glaube bezeugt wird. Sie tragen und trugen schon immer wesentlich zur Tradierung und Verkündigung des Glaubens bei. Dem versucht die OKJ in der Arbeit und in der Begegnung mit jungen Menschen gerecht zu werden. Sie setzt sich zum Ziel, dass der Glaube junger Menschen ernst genommen wird und auf Wertschätzung stösst.

Jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen bedeutet schliesslich für die OKJ, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit anzustreben und geht mit dem natürlichen Machtgefälle aufgrund unterschiedlicher Rollen sensibel um. Daraus resultiert unter anderem, dass sich die OKJ vehement gegen jegliche Form von Gewalt und Missbrauch einsetzt. Sie klärt junge Menschen über sexualisierte Gewalt und spirituellen Missbrauch in der katholischen Kirche auf und stärkt gleichzeitig die Integrität junger Menschen. Die OKJ vermittelt in diesem Zusammenhang jungen Menschen, dass die Deutungshoheit bei jedem einzelnen Individuum liegt.