4.7          Mission

OKJ versteht ihr missionarisches Wirken als Evangelisation einerseits und Mission anderseits. Ziel dieses missionarischen Wirkens ist nicht zu «missionieren, taufen und Menschen zu Jesus führen»[1], schon gar nicht erachtet die OKJ Mission als «Bekehrungsfrage»[2]. Leitend für das missionarische Wirken der OKJ ist die Haltung von Michel de Certeau SJ:

«‹Missionarisch› zu sein heisst für die Kirche, zu anderen Generationen, zu fremden Kulturen, zu neuen menschlichen Strebungen zu sagen: ‹Du fehlst mir› – nicht so, wie ein Grundbesitzer über das Feld seiner Nachbarn spricht, sondern wie ein Liebender.»[3]

Evangelisation

Allen jungen Menschen, die über die Motivation und den dahinterliegenden Glauben etwas erfahren möchten, geben kirchliche Jugendarbeitende in der OKJ Rede und Antwort von der Hoffnung, die sie trägt (vgl, 1Petrus 3,15). Sie ermöglichen interessierten jungen Menschen Vertiefungen des Evangeliums und der Tradition der kath. Kirche. Kirchliche Jugendarbeitende verstehen ihr Arbeiten mit jungen Menschen immer auch als Selbstevangelisation, indem sie junge Menschen als einen der «loci theologici» wahr- und ernstnehmen, der sie tiefer in das Evangelium führt[4].

 

Mission

Im Auftrag der kath. Kirche setzt sie sich zum Wohle der jungen Menschen und der Gesellschaft ein. Sie macht dabei die Liebe Gottes, die aus dem Glauben an Jesus Christus empfangen wird, durch die Arbeit der offenen kirchlichen Jugendarbeit jungen Menschen erfahrbar. In der Lebensweise Jesu erkennt sie dabei die Absichtslosigkeit dieser Liebe und erwartet daher keine Gegenleistungen in Form von Übernahmen von Glaubensvorstellungen und -überzeugungen. OKJ versteht die Verwirklichung ihrer Mission in erster Linie in der qualitativen Begegnung mit jungen Menschen. 

Darüber hinaus setzt sich OKJ für junge Menschen mit anderer religiöser Heimat ein, damit diese in ihrem Glauben ebenfalls zu fördernder Begleitung kommen. Im interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit verwirklicht OKJ den missionarischen Auftrag zur Förderung des Friedens unter den Religionen und den Menschen.

 

[1] Meuser, Bernhard; Hartl, Johannes; Wallner, Karl: Mission Manifest. Die Thesen für das Comeback der Kirche. Freiburg im Breisgau: Herder, 2018, 11.

[2] Wittal, Markus: Uns bewegt die Sehnsucht, dass Menschen sich zu Jesus Christus bekehren, in: Meuser, Bernhard; Hartl, Johannes; Wallner, Karl: Mission Manifest. Die Thesen für das Comeback der Kirche. Freiburg im Breisgau: Herder, 2018, 64.

[3] Michel de Certeau, GlaubensSchwachheit, Stuttgart 2009, 105.

[4] Vgl. CV 39: «Um in den Augen der jungen Menschen glaubwürdig zu sein, muss sie [die Kirche] zuweilen die Demut wieder zurückgewinnen und einfach zuhören, und in dem, was andere sagen, ein Licht erkennen, das ihr helfen kann, das Evangelium tiefer zu verstehen.»