8          Kirchliche*r Jugendarbeiter*in in der OKJ

Kirchliche Jugendarbeiter*innen geben massgeblich der OKJ vor Ort ihr Profil, indem sie sich authentisch in die Begegnungen mit jungen Menschen einbringen und animierend wirken. Kirchliche Jugendarbeitende benötigen daher einen entsprechenden Freiraum und das Vertrauen der Auftragsgebenden, um aus ihrer Fachlichkeit UND Persönlichkeit agieren zu können. In der Zusammenarbeit mit jungen Menschen ist eine Authentizität erforderlich, welche durch Kongruenz und Offenheit besticht. Die Übernahme von auferlegten Rollen, welche mit der Person des*r kirchlichen Jugendarbeiters*in nicht im Einklang stehen, ist kontraproduktiv. Eine sorgfältige Klärung der Erwartungen an die kirchlich Jugendarbeitende Person und der Kompetenzen, Haltungen und Bereitschaft des*r kirchlichen Jugendarbeiters*in ist für eine gelingende OKJ grundlegend.

Angeregt durch das Dokument des Vorbereitungstreffens zur Jugendsynode skizziert Papst Franziskus in Christus vivit 246 ein deutliches Profil von Begleitpersonen. Die folgenden Profilansprüche für die OKJ gilt es individuell auf Stärken und Schwächen zu reflektieren.

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8.1           Erkennbar sein

OKJ ist in der Lebens- und Glaubenslagen der jungen Menschen, ohne aufdringlich zu sein, präsent. Umso wichtiger ist die Erkennbarkeit der kirchlichen Jugendarbeitenden für junge Menschen. In den Begegnungen soll jungen Menschen ersichtlich sein, dass das Gegenüber eine aktiv zuhörende Person mit Kompetenzen in Bereich Religion, Spiritualität und Glauben ist. Insbesondere in Gesprächen mit jungen Menschen, die Religion ablehnen, zeigt sich die verinnerlichte Haltung, das «Jetzt Gottes» auch in ungewohnten Momenten entdecken zu können.

In Erstkontakten und -gesprächen mit jungen Menschen zeigt die*der kirchliche Jugendarbeiter*in ihr*sein Profil den jungen Menschen mehr über ihre*seine Werthaltungen, Weltanschauung, Liebe zu den Mitmenschen und Achtung der Mitwelt, als durch religiöse Sprache. In Gesprächen zu Religion, Spiritualität und Glaube in der OKJ bemühen sich kirchliche Jugendarbeitende um nachvollziehbare Erläuterungen, die es jungen Menschen ermöglichen, ihre Vorstellungen und Haltungen in ihren eigenen Worten mitzuteilen. Dabei scheuen kirchliche Jugendarbeitende auch nicht aufzuzeigen, dass Sprache Grenzen hat, und lassen ein Stottern über Gott zu.

Nebst der Erkennbarkeit über die Sprache sind es gerade auch die nonverbalen Sichtbarkeiten, die jungen Menschen verdeutlichen, dass ein Mensch mit Glauben, spiritueller Tiefe und kirchlicher Heimat gegenübersteht. Dies kann sich in unterschiedliche Formen zeigen: Begeisterung an den Formen und Farben der Natur, der Musik, den stillen Momenten, dem Bei-Sich-sein, der Aufmerksamkeit gegenüber den Speisen beim Essen, der spürbaren Dankbarkeit der gemeinsam erlebten Zeit usw. sind wichtige Merkmale, die jungen Menschen Vertrauen in die Person schenken, über Sinnfragen und Glauben ins Gespräch zu kommen.

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8.2      Authentisch sein

Authentizität speist sich aus reflektierter Selbsterkenntnis, Selbstannahme und reflektiertem Rollenbewusstsein. Die Freiheit, «aus welcher Jesus lebte»[1], lädt kirchliche Jugendarbeitende zum aufrechten Gang ein, den sie jungen Menschen beispielhaft vorleben. Authentizität hat neben Ehrlichkeit folglich auch modellhaften Charakter. Dabei ist ein authentisches und ehrliches Auftreten im Rahmen des Auftrages innerhalb der katholischen Kirche als kirchliche*r Jugendarbeiter*in von einem entsprechenden Auftreten als Privatperson zu unterscheiden. Authentizität und Ehrlichkeit sind hohe Ansprüche. Diesen als Menschen mit und in verschiedenen Rollen in jeder Situation gerecht zu werden, ist eine grosse Herausforderung und kann auf das Sich-einlassen in verschiedene Settings (mit jungen Menschen) hemmend auswirken. Es gilt daher umso mehr, als kirchliche*r Jugendarbeiter*in ein feines Gespür für das Auftreten in den verschiedenen Rollen und Settings zu haben, um ein je adäquates Auftreten abwägen zu können.

Die Authentizität kirchlicher Jugendarbeitenden soll junge Menschen ermutigen, selbst authentisch zu sein und ihrer Originalität und Einzigartigkeit Ausdruck zu verleihen. Sie kommen so auch einem Anliegen bzw. Wunsch von Papst Franziskus nach, welcher er in Christus vivit, direkt an junge Menschen gerichtet, formulierte:

«Ich erinnere dich aber daran, dass du nicht heilig und erfüllt sein wirst, wenn du andere kopierst. […] Du musst entdecken, wer du bist, und deine eigene Weise des Heiligseins entfalten, unabhängig davon, das andere sagen und meine. Heilig zu werden, bedeutet ganz zu selbst zu werden, der zu werden, den Gott träumen und erschaffen wollte, nicht eine Fotokopie.» (CV 162)

Insbesondere das eigene Verständnis der eigenen Teilhabe von kirchlichen Jugendarbeitenden an der kirchlichen Gemeinschaft unterstützt «junge Menschen der Kirche» (Papst Franziskus), selbst ihren Ort in und ihr Selbstverständnis der kirchlichen Gemeinschaft zu finden und sich dadurch als unverzichtbarer Teil der (Glaubens-)Gemeinschaft zu erleben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Authentizität kirchlicher Jugendarbeitenden ist, dass sie keine «Berufsjugendlichen» sind, welche jeden Jugendtrend aufzunehmen versuchen oder über jugendkulturelle Ausdruckformen eine Nähe zur Jugend aufbauen bzw. zum Ausdruck bringen möchten. Authentizität wandelt im Laufe der Berufsjahre auch das Beziehungsverhältnis zu jungen Menschen und bietet dabei neue Möglichkeiten der Begleitung.

 

[1] Vgl. Magna Charta.

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8.3      Dialog- und Sprachfähigkeit

Die Sinus-Milieu-Studien der vergangenen Jahrzehnten zeigen immer wieder deutlich auf, wie verschieden die Lebenswelten und gelebten Werte und Haltungen der Menschen sind. Anhand dieser Studien lässt sich die Gesellschaft in der Schweiz in zehn Gruppen abbilden, welche die real existierende Vielfalt in der Gesellschaft aufzeigen.[1] Auch die religiöse Praxis der Menschen lässt sich in Sinus-Milieus darstellen, was in den Kirchen der Schweiz vor einigen Jahren zu vielen Tagungen, Konferenzen, Weiterbildungen und teilweise Neukonzipierungen pastoralen Handels führte.

Gerade junge Menschen sind Suchende, gestalten ihre Glaubens- und Lebenswelt entsprechend vielfältig und können sich eher auf Neues einlassen. Durch die Mobilität und der damit verbundenen Trennung von Heimat-, Wohn-, Studien- und Wohnort, bewegen sich junge Menschen in der Schweiz zudem oft in verschiedenen Kontexten. Als kirchliche Jugendarbeiter*innen ist es darum für ihre Arbeit mit jungen Menschen essentiell, vor dem Hintergrund der Sinus-Milieus-Studien und den Eigenheiten der Lebensphase Jugend, die verschiedenen Lebens- und Glaubenswelten junger Menschen zu kennen und in der Biografie junger Menschen einordnen zu können.

Wenn offene kirchliche Jugendarbeit den Anspruch hat, für alle jungen Menschen eine Ansprechperson in Lebens-, Sinn- und Glaubensfragen zu sein[2], so muss sie mit ihrer Arbeit jungen Menschen in diesen verschiedenen Lebens- und Glaubenswelten bzw. Milieus gerecht werden. Dies erfordert von den kirchlichen Jugendarbeiter*innen ein Zugehen-können auf die jungen Menschen in den verschiedenen Milieus. So sind beispielsweise sowohl junge Menschen aus religiösen Bewegungen als auch Atheist*innen, Säkulare oder Distanzierte Zielgruppe möglicher Projekte oder Initiativen offener kirchlicher Jugendarbeit.

Der Umgang mit jungen Menschen aus den verschiedensten Milieus verlangt von den kirchlichen Jugendarbeiter*innen ein hohes Mass an Dialog- und Sprachfähigkeit. Die Sensibilität für die Sprache als Ausdruck dessen, was gefühlt, geglaubt und gelebt wird, unterstützt die Arbeit mit jungen Menschen mit unterschiedlichen Lebens- und Glaubensvorstellungen. Als kirchliche Jugendarbeiter*innen mit entsprechend religionspädagogischem und/oder theologischem Knowhow[3] haben sie den Anspruch, junge Menschen mit verschiedenen Lebens- und Glaubensvorstellungen in Projekte oder Initiativen einzubeziehen. Die Dialog- und Sprachfähigkeit hilft dabei, Brücken zwischen jungen Menschen aus den verschiedensten Milieus schlagen zu können.

 

[1] Vgl. dazu: https://www.sinus-institut.de/sinus-loesungen/sinus-milieus-schweiz/ (zuletzt abgerufen am: 31.10.2020).

[2] Siehe dazu Kapitel 4.2 «ALLE jungen Menschen»

[3] Siehe dazu Kapitel 8.8 «Professionalität».

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8.4      Begleitungs- und Berufungspastoral

Kirchliche Jugendarbeitenden in der OKJ machen mit ihrer Arbeit sichtbar, dass junge Menschen bei ihnen eine kritisch-konstruktive Begleitung[1] finden können. Diese Begleitung ist durch ein differenziertes Hinschauen auf die je individuelle Lebensphase und -geschichte des jungen Menschen geprägt. Junge Menschen werden immer mit ihren Fragen, Anliegen und Wünschen ernst genommen und mit einer «kritisch-konstruktiven Ehrlichkeit» in ihrer Identitätsarbeit unterstützt und, wenn gewünscht, begleitet. Leitend dafür ist stets die Haltung, «den jungen Menschen mit Verständnis, Wertschätzung und Zuneigung zu begegnen, und nicht, sie ständig zu beurteilen […]» (CV 243). Dies wünschen sich auch die über 300 jungen Menschen, die sich im Vorfeld der Jugendsynode 2018 zu einem Vorbereitungstreffen in Rom getroffen haben, wenn sie in ihrem Abschlussdokument schreiben, dass eine Begleitungsperson

«ein Vertrauter [ist], der einen nicht verurteilt; einer, der den Bedürfnissen von jungen Menschen zuhört und in gleicher Weise antwortet [..].» (10)

Kirchliche Jugendarbeitende schöpfen dabei auch aus den Schätzen und Potenzialen der Kirche, aus ihren Traditionen und Geschichten (inkl. ihren Verfehlungen und Unzulänglichkeiten), und bringen so eine spezifische Art der Begleitung hervor.

Fragen nach der Identität, den Stärken und Fähigkeiten und der (beruflichen) Zukunft zählen für junge Menschen in ihrer Lebensphase zu den herausforderndsten Fragen. Dabei können kirchliche Jugendarbeitende junge Menschen nicht nur mit adäquater Begleitung unterstützen, sondern auch mit einem Gespür für Berufungsgeschichten junger Menschen.

Junge Menschen treffen in der OKJ auf ein Gegenüber, welches Berufung in einem umfassenden Sinn versteht und nicht bloss als Synonym für Priestertum und Ordensleben.[2] OKJ vertritt die Haltung, dass es bei Berufungsprozessen darum geht, «sich selbst im Lichte Gottes zu erkennen und das eigene Sein zum Blühen zu bringen» (CV 257). Auch für junge Menschen «ist es wichtig zu wissen, dass sie allein aufgrund ihres Lebens eine Berufung haben und dass jeder dafür verantwortlich ist zu erkennen, wozu Gott sie ruft, wer sie ist und was sie tun sollen»[3].

 

[1] Vgl. zur Begleitungspastoral CV 203­­-247 «Die Pastoral der jungen Menschen».

[2] Vgl. zur Berufungspastoral CV 283-299 «Die Berufung».

[3] Abschlussdokument Vorbereitungstreffen 8.

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8.5      Anwaltschaftlichkeit

Erfahrungen und Beobachtungen in der Arbeit mit jungen Menschen zeigen immer wieder auf, dass im Umgang junger Menschen mit erwachsenen Personen ein Machtgefälle besteht. Auch wenn niemand der Gesprächs-, Dialog- oder Diskussionsparteien bewusst eine «Hierarchie» intendiert, so fühlen sich junge Menschen gegenüber erwachsenen Personen aufgrund des Alters, der Lebenserfahrungen und der Stellung in der Gesellschaft der Erwachsenen oft in einer untergeordneten Rolle.

Gerade darum müssen sich kirchliche Jugendarbeiter*innen im Dialog mit Erwachsenen immer auch als Anwält*innen der jungen Menschen verstehen und die Rolle der Anwaltschaftlichkeit in Settings, wo es dies erfordert, bewusst ausüben. Sie können beispielsweise  in Prozesse ohne Beteiligung junger Menschen gegenüber den anderen Parteien als Vertreter*innen der jungen Menschen auftreten oder für Räume einzustehen, in denen junge Menschen autonom agieren und wirken können. Dies erfordert von den kirchlichen Jugendarbeiter*innen ein in Erlebnis- und/oder Resonanzräumen regelmässiges Zu- und Anhören junger Menschen auf Augenhöhe[1], eine gut funktionierende Beziehungsarbeit und -pflege[2] und ein synodales Verständnis von offener kirchlicher Jugendarbeit.[3]

Wenn die Jugendsynode 2018 im Abschlussdokument junge Menschen als locus theologicus bezeichnet hat, so gilt es für kirchliche Jugendarbeiter*innen in der Rolle als Anwält*innen junger Menschen im Kontext von Kirche und Pastoral diesen Aspekt besonders zu berücksichtigen.[4] In der Arbeit mit jungen Menschen sollen ihre religiösen, theologischen und ethischen Fragen, Anliegen und Bedürfnisse erkannt und in möglichen Projekten gemeinsam bearbeitet und reflektiert werden. Ebenfalls sollen bzw. dürfen die konkreten Glaubensvorstellungen junger Menschen Gegenstand der Arbeit mit jungen Menschen sein.

Als Anwält*innen sind kirchliche Jugendarbeiter*innen stets bemüht, die Hoffnungen und Freuden, von der sich junge Menschen getragen fühlen und wissen, in kirchlichen Prozessen, Gremien, Behörden etc. einfliessen zu lassen.

 

[1] Siehe dazu Kapitel 4.4 «Begegnung auf Augenhöhe»

[2] Siehe dazu Kapitel 5.1 «Beziehung und Animation»

[3] Siehe dazu Kapitel 4.5 «Synodale Jugendpastoral»

[4] Siehe dazu Kapitel 3.7 «Theologie»

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8.6      Aktivierende Ermutigung

Kirchliche Jugendarbeitende in der OKJ verstehen ihre Rolle im Sinne eines Coaches, der*die junge Menschen zu Protagonist*innen ermutigt, sie darin unterstützt und mit gezielten Aufträgen fördert. Sie suchen daher immer nach Möglichkeiten, in denen sich junge Menschen mit ihren Fertig- und Fähigkeiten einbringen können.[1] Dabei muten sie jungen Menschen zu, z. B. bei Veranstaltungen und Projekten Teilbereiche zu verantworten oder sich in einer Weise zu beteiligen, die für die Umsetzung relevant sind. Durch die Beziehungsarbeit erkennen kirchliche Jugendarbeitenden die Talente und Charismen der jungen Menschen und animieren sie dazu, diese aktiv einzubringen.

Dies bedeutet, dass kirchliche Jugendarbeitende auch bewusst in den Hintergrund treten, um unterstützend wirken zu können und für die Begleitung der jungen Menschen Zeit zu haben. Sie verdeutlichen damit, dass die OKJ ein Ort ist, in dem junge Menschen Vorhaben verwirklichen und durch ihre Beiträge ausgestalten können. Wo OKJ als Veranstalterin auftritt und kirchliche Jugendarbeitende darin Verantwortung tragen (z. B. aufgrund von Verträgen, Bewilligungen usw.) sind immer auch junge Menschen involviert, die durch ihre Stile, ihre Art und Weise und ihre inhaltlichen Beiträge prägend mitwirken.

Für kirchliche Jugendarbeiter*innen in der OKJ steht folglich weniger im Vordergrund, dass sie für die jungen Menschen arbeiten – im Sinne eines Angebots, dass Jugendliche und junge Erwachsene konsumierend nutzen können oder in der Haltung, dass junge Menschen Empfänger*innen einer «Gutmensch-Aktion» sind. Dies erfordert auch das Aushalten von Zeiten, in denen wenig sichtbares geleistet werden kann, weil gerade keine jungen Menschen da sind, welche sich aktiv beteiligen wollen/können. Gleichzeitig bringt diese Haltung auch Zeiten hervor, die sehr arbeitsintensiv sind, weil junge Menschen etwas Umsetzen wollen oder ein Anliegen verfolgen, dem jetzt nachgegangen werden will. Diese Pendelbewegungen der Arbeitsbelastung müssen von den Auftragsgebenden als Gegebenheit anerkannt werden, die sich aus der leitenden Grundhaltung der kirchlichen Jugendarbeitenden ergibt, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten.

 

[1] Siehe dazu Kapitel 6.1 «Selbstwirksamkeit steigern»

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8.7         Netzwerker*in

In der OKJ arbeiten kirchliche Jugendarbeitende auf lokaler, regionaler/kantonaler und Deutschschweizer/Nationaler Ebene in Netzwerken. Dazu bauen sie ihr Netzwerk stetig aus, pflegen es und arbeiten mit den Netzwerkpartner*innen zusammen. Dabei dienen Austausch, Teilnahme an Veranstaltungen der Netzwerkpartner*innen sowie eigene Netzwerkveranstaltungen dem Aufbau und der Pflege. Dadurch werden Kooperationen ermöglicht sowie das eigene Fachwissen und Know-How weiterentwickelt.

Mit kirchlichen Netzwerkpartnerschaften wird eine bereichsverbindende Zusammenarbeit angestrebt. Damit ermöglichen kirchliche Jugendarbeitende jungen Menschen die vielfältigen Tätigkeiten der Kirche kennen zu lernen bzw. in der Gesamtpastoral eine aktive Beteiligung erleben zu können. Der Mehrwert ergibt sich in der bereichsverbindenden Zusammenarbeit durch die Verbindung zwischen den Generationen sowie durch die damit einhergehende Themenvielfalt. Der Einbezug der jungen Menschen in die verschiedenen pastoralen Arbeitsfelder bringt die Kraft und den Geist der jungen Menschen in diese hinein und verleiht der Kirche dadurch auch immer wieder ein neues, junges und frisches Gesicht.

Mit Netzwerkpartner*innen werden zusätzliche Kompetenzen sowie weitere Lebensbereiche von jungen Menschen erschlossen. Durch diese Kooperation sollen jungen Menschen den Zugang zu Religion, Spiritualität und Glauben auch an Orten ermöglicht werden, wo es bisher kaum oder gar nicht möglich war.[1] Z. B. im öffentlichen Raum (Aufsuchende Jugendarbeit mit der OJA zusammen), bei Sportturnieren (mit dem Samariterverein zusammen sich um das Wohlergehen der Beteiligten und Zuschauer*innen kümmern) oder beim Dorffest (mit der Turnriege eine Bar betreiben, die auch Raum für Gespräche bereithält) bietet sich OKJ mit ihrem Profil im komplementären Verständnis für eine Zusammenarbeit an. Dabei wird den verschiedenen Akteur*innen bewusst, dass Kooperationen und die damit einhergehende mannigfache Erschliessung von Lebens-, Sinn- und Glaubensfragen für alle Beteiligten einen Mehrwert bringt. Ebenso wird für junge Menschen durch diese Zusammenarbeit sichtbar, dass es der OKJ um den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit geht und ihr Interesse den vielfältigen Lebensrealitäten junger Menschen gilt. So bezeugt die OKJ in den Engagements und der Zusammenarbeit mit Netzwerkpartner*innen ihre Absichtslosigkeit bezüglich Rekrutierung neuer Mitglieder für ihre Konfession und bezeugt gleichzeitig die durch das Evangelium verkündete, uneingeschränkte Liebe Gottes zu den Menschen.

Netzwerkarbeit ist somit nebst den eigenen Kernkompetenzen eine zentrale Ressource der kirchlichen Jugendarbeitenden. Kirchliche Jugendarbeitende in der OKJ machen so die besondere Aufmerksamkeit gegenüber allen jungen Menschen sichtbar. Darüber hinaus macht Netzwerkarbeit deutlich, dass letztlich nur in Zusammenarbeit mit Partner*innen und jungen Menschen an einer fördernden Lebens- und Glaubenslage gearbeitet werden kann. Gleichzeitig kennen kirchliche Jugendarbeitende auch den Mehrwert, den sie durch ihr Profil und ihre Kompetenzen in die Zusammenarbeit bringen und dadurch Bestehendes wertvoll zu ergänzen vermögen. 

 

[1] Vgl. AD VT, 13. Bevorzugte Orte: «Die Kirche sollte neue kreative Wege finden, Menschen dort zu begegnen, wo sie sich wohlfühlen und sich spontan treffen: Bars, Cafés, Parks, Fitnessstudios, Stadien und andere beliebte Kulturzentren.»

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8.8             Professionalität

Kirchliche*r Jugendarbeiter*in ist ein eigener Beruf, welcher im Berufsbild grundgelegt ist. Es handelt sich folglich um eine professionelle Tätigkeit, welche entsprechende Anforderungen an Ausbildungs- und Zusatzqualifikation und Weiterbildungen stellt. Kirchliche Jugendarbeitende weisen dabei vielfältige Ausbildungsqualifikationen (z. B. Religionspädagogik, Theologie, Sozialpädagogik, Soziale Arbeit, Soziokulturelle Animation, Gemeindeanimation etc.) auf. Die unterschiedlichen Ausbildungshintergründe und damit zusammenhängenden Berufsidentitäten tragen vor Ort zu einem interdisziplinären Team bei, das für die Pfarrei-, Pastoralraum- bzw. Seelsorgeteams eine Bereicherung darstellt. Sie bringen aufgrund ihrer beruflichen Hintergründe zusätzliche Sichtweisen und Aspekte ein, welche die pastoralen Tätigkeiten auch immer wieder kritisch hinterfragen und zu neuen Denk- und Handlungsweisen anstossen. Bei beruflichen Ausbildungen ohne religionspädagogischen oder theologischen Inhalte müssen für diese interdisziplinäre Zusammenarbeit die entsprechenden Kompetenzen durch Zusatzqualifikationen[1] und Weiterbildungen erworben werden, um Dialogfähig zu sein und sich dadurch gewinnbringend einbringen zu können. Jugendarbeitende erhalten durch diese Weiterbildungen auch jene Kompetenzen, welche für das pastorale Arbeitsfeld offene kirchliche Jugendarbeit profilgebend sind.

Kirchliche Jugendarbeitende verstehen ihre Profession als Jugendarbeitende, welche zusätzlich die Bereiche Religion, Spiritualität und Glaube als festen Bestandteil ihrer Arbeit sehen und diese auch in die (Zusammen-)Arbeit mit jungen Menschen integrieren möchten. Sie verfügen dazu Kenntnisse über die Bibel als Glaubensgrundlage, der kath. Lehre, den unterschiedlichen christlichen Konfessionen und Spiritualitäten, Weltreligionen und weisen eine spirituelle Grundkompetenz aus. Sie haben ein reflektiertes Bewusstsein gegenüber der kath. Kirche als Trägerin ihrer Arbeit und können dieses differenziert kommunizieren. In ihrem Selbstverständnis sind sie selbst stetig Suchende bzw. Fragende und stellen ihre Erfahrungen des Lebens und Glaubens jungen Menschen inspirierend zu Verfügung. Gleichzeitig sind sie aber immer auch offen, von jungen Menschen zu lernen. Sie reflektieren ihre eigenen Stärken und Schwächen und kennen dadurch ihre Grenzen und Möglichkeiten. Aufgrund ihres Qualitätsbewusstseins verstehen sie sich in professioneller Weise nicht als Alleskönnende und -wissende, sondern beziehen externe Ressourcen mit ein, wo der Anspruch an Qualität dies erfordert.

Die Arbeit als kirchliche*r Jugendarbeiter*in verlangt

  • einen hohen Einsatz der Persönlichkeit,
  • eine aktive Pflege der eigenen Spiritualität und Glaubenswelt,
  • Auseinandersetzung und Reflexion aktueller gesellschaftlicher und kirchenpolitischer Geschehnisse und daraus resultierenden Fragestellungen,
  • selbstkritische Überprüfung der eigenen Arbeitsweise und die stetige Suche nach Optimierungsmöglichkeiten,
  • ein Interesse an aktueller Fachliteratur, Forschungsprojekten und digitalen Entwicklungen und deren Beurteilung betreffend der Bedeutsamkeit für die Arbeit mit jungen Menschen,
  • eine stetige Verbesserung der Selbst- und Sozialkompetenz,
  • ein hohes Mass an Kreativität zur Schaffung von wertvollen Momenten, inspirierenden Auseinandersetzungen, provozierenden und überraschenden Situationen, die aus den jungen Menschen kreatives und wertvolles herausvorzubringen vermögen
  • und vieles mehr.

Die Arbeit mit jungen Menschen ist eine Arbeit mit der Lebensphase Jugend, welche die Entwicklung des Menschen in hohen Masse beeinflusst und geprägt ist von Verletzlichkeit, Unsicherheit und Tatendrang. Sie erfordert deshalb eine hohe Sensibilität gegenüber den Menschen, die sich in dieser Lebensphase befinden. Leitend dafür ist ein professionelles Arbeiten, das durch fundiertes Handeln und Sprechen zum Ausdruck kommt.

Auftragsgebende müssen sich dieser anspruchsvollen Arbeit bewusst sein und nebst guter Auswahl des Personals bei der Anstellung auch die Arbeit des*r kirchlichen Jugendarbeiters*in unterstützend begleiten. Dazu gehört das Bewusstsein, dass diese Arbeit auch Zeiten der Inspiration und der Musse bedarf, Weiterbildungen, fachlichen Austausch und gemeinsam festgelegte Wirkungsziele erfordert. Dies können Auftragsgebende schon dadurch bewirken, indem sie die zur Verfügung gestellte Arbeitszeit in einem realistischen Verhältnis von verplanter Arbeitszeit und unverplanter Arbeitszeit einteilen bzw. ein solches Verhältnis der Arbeitszeit in der Planung einfordern.

 

[1] Fachausweis kirchliche*r Jugendarbeiter*in nach ForModula.

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