8.2      Authentisch sein

Authentizität speist sich aus reflektierter Selbsterkenntnis, Selbstannahme und reflektiertem Rollenbewusstsein. Die Freiheit, «aus welcher Jesus lebte»[1], lädt kirchliche Jugendarbeitende zum aufrechten Gang ein, den sie jungen Menschen beispielhaft vorleben. Authentizität hat neben Ehrlichkeit folglich auch modellhaften Charakter. Dabei ist ein authentisches und ehrliches Auftreten im Rahmen des Auftrages innerhalb der katholischen Kirche als kirchliche*r Jugendarbeiter*in von einem entsprechenden Auftreten als Privatperson zu unterscheiden. Authentizität und Ehrlichkeit sind hohe Ansprüche. Diesen als Menschen mit und in verschiedenen Rollen in jeder Situation gerecht zu werden, ist eine grosse Herausforderung und kann auf das Sich-einlassen in verschiedene Settings (mit jungen Menschen) hemmend auswirken. Es gilt daher umso mehr, als kirchliche*r Jugendarbeiter*in ein feines Gespür für das Auftreten in den verschiedenen Rollen und Settings zu haben, um ein je adäquates Auftreten abwägen zu können.

Die Authentizität kirchlicher Jugendarbeitenden soll junge Menschen ermutigen, selbst authentisch zu sein und ihrer Originalität und Einzigartigkeit Ausdruck zu verleihen. Sie kommen so auch einem Anliegen bzw. Wunsch von Papst Franziskus nach, welcher er in Christus vivit, direkt an junge Menschen gerichtet, formulierte:

«Ich erinnere dich aber daran, dass du nicht heilig und erfüllt sein wirst, wenn du andere kopierst. […] Du musst entdecken, wer du bist, und deine eigene Weise des Heiligseins entfalten, unabhängig davon, das andere sagen und meine. Heilig zu werden, bedeutet ganz zu selbst zu werden, der zu werden, den Gott träumen und erschaffen wollte, nicht eine Fotokopie.» (CV 162)

Insbesondere das eigene Verständnis der eigenen Teilhabe von kirchlichen Jugendarbeitenden an der kirchlichen Gemeinschaft unterstützt «junge Menschen der Kirche» (Papst Franziskus), selbst ihren Ort in und ihr Selbstverständnis der kirchlichen Gemeinschaft zu finden und sich dadurch als unverzichtbarer Teil der (Glaubens-)Gemeinschaft zu erleben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Authentizität kirchlicher Jugendarbeitenden ist, dass sie keine «Berufsjugendlichen» sind, welche jeden Jugendtrend aufzunehmen versuchen oder über jugendkulturelle Ausdruckformen eine Nähe zur Jugend aufbauen bzw. zum Ausdruck bringen möchten. Authentizität wandelt im Laufe der Berufsjahre auch das Beziehungsverhältnis zu jungen Menschen und bietet dabei neue Möglichkeiten der Begleitung.

 

[1] Vgl. Magna Charta.