8.3      Dialog- und Sprachfähigkeit

Die Sinus-Milieu-Studien der vergangenen Jahrzehnten zeigen immer wieder deutlich auf, wie verschieden die Lebenswelten und gelebten Werte und Haltungen der Menschen sind. Anhand dieser Studien lässt sich die Gesellschaft in der Schweiz in zehn Gruppen abbilden, welche die real existierende Vielfalt in der Gesellschaft aufzeigen.[1] Auch die religiöse Praxis der Menschen lässt sich in Sinus-Milieus darstellen, was in den Kirchen der Schweiz vor einigen Jahren zu vielen Tagungen, Konferenzen, Weiterbildungen und teilweise Neukonzipierungen pastoralen Handels führte.

Gerade junge Menschen sind Suchende, gestalten ihre Glaubens- und Lebenswelt entsprechend vielfältig und können sich eher auf Neues einlassen. Durch die Mobilität und der damit verbundenen Trennung von Heimat-, Wohn-, Studien- und Wohnort, bewegen sich junge Menschen in der Schweiz zudem oft in verschiedenen Kontexten. Als kirchliche Jugendarbeiter*innen ist es darum für ihre Arbeit mit jungen Menschen essentiell, vor dem Hintergrund der Sinus-Milieus-Studien und den Eigenheiten der Lebensphase Jugend, die verschiedenen Lebens- und Glaubenswelten junger Menschen zu kennen und in der Biografie junger Menschen einordnen zu können.

Wenn offene kirchliche Jugendarbeit den Anspruch hat, für alle jungen Menschen eine Ansprechperson in Lebens-, Sinn- und Glaubensfragen zu sein[2], so muss sie mit ihrer Arbeit jungen Menschen in diesen verschiedenen Lebens- und Glaubenswelten bzw. Milieus gerecht werden. Dies erfordert von den kirchlichen Jugendarbeiter*innen ein Zugehen-können auf die jungen Menschen in den verschiedenen Milieus. So sind beispielsweise sowohl junge Menschen aus religiösen Bewegungen als auch Atheist*innen, Säkulare oder Distanzierte Zielgruppe möglicher Projekte oder Initiativen offener kirchlicher Jugendarbeit.

Der Umgang mit jungen Menschen aus den verschiedensten Milieus verlangt von den kirchlichen Jugendarbeiter*innen ein hohes Mass an Dialog- und Sprachfähigkeit. Die Sensibilität für die Sprache als Ausdruck dessen, was gefühlt, geglaubt und gelebt wird, unterstützt die Arbeit mit jungen Menschen mit unterschiedlichen Lebens- und Glaubensvorstellungen. Als kirchliche Jugendarbeiter*innen mit entsprechend religionspädagogischem und/oder theologischem Knowhow[3] haben sie den Anspruch, junge Menschen mit verschiedenen Lebens- und Glaubensvorstellungen in Projekte oder Initiativen einzubeziehen. Die Dialog- und Sprachfähigkeit hilft dabei, Brücken zwischen jungen Menschen aus den verschiedensten Milieus schlagen zu können.

 

[1] Vgl. dazu: https://www.sinus-institut.de/sinus-loesungen/sinus-milieus-schweiz/ (zuletzt abgerufen am: 31.10.2020).

[2] Siehe dazu Kapitel 4.2 «ALLE jungen Menschen»

[3] Siehe dazu Kapitel 8.8 «Professionalität».