8.4      Begleitungs- und Berufungspastoral

Kirchliche Jugendarbeitenden in der OKJ machen mit ihrer Arbeit sichtbar, dass junge Menschen bei ihnen eine kritisch-konstruktive Begleitung[1] finden können. Diese Begleitung ist durch ein differenziertes Hinschauen auf die je individuelle Lebensphase und -geschichte des jungen Menschen geprägt. Junge Menschen werden immer mit ihren Fragen, Anliegen und Wünschen ernst genommen und mit einer «kritisch-konstruktiven Ehrlichkeit» in ihrer Identitätsarbeit unterstützt und, wenn gewünscht, begleitet. Leitend dafür ist stets die Haltung, «den jungen Menschen mit Verständnis, Wertschätzung und Zuneigung zu begegnen, und nicht, sie ständig zu beurteilen […]» (CV 243). Dies wünschen sich auch die über 300 jungen Menschen, die sich im Vorfeld der Jugendsynode 2018 zu einem Vorbereitungstreffen in Rom getroffen haben, wenn sie in ihrem Abschlussdokument schreiben, dass eine Begleitungsperson

«ein Vertrauter [ist], der einen nicht verurteilt; einer, der den Bedürfnissen von jungen Menschen zuhört und in gleicher Weise antwortet [..].» (10)

Kirchliche Jugendarbeitende schöpfen dabei auch aus den Schätzen und Potenzialen der Kirche, aus ihren Traditionen und Geschichten (inkl. ihren Verfehlungen und Unzulänglichkeiten), und bringen so eine spezifische Art der Begleitung hervor.

Fragen nach der Identität, den Stärken und Fähigkeiten und der (beruflichen) Zukunft zählen für junge Menschen in ihrer Lebensphase zu den herausforderndsten Fragen. Dabei können kirchliche Jugendarbeitende junge Menschen nicht nur mit adäquater Begleitung unterstützen, sondern auch mit einem Gespür für Berufungsgeschichten junger Menschen.

Junge Menschen treffen in der OKJ auf ein Gegenüber, welches Berufung in einem umfassenden Sinn versteht und nicht bloss als Synonym für Priestertum und Ordensleben.[2] OKJ vertritt die Haltung, dass es bei Berufungsprozessen darum geht, «sich selbst im Lichte Gottes zu erkennen und das eigene Sein zum Blühen zu bringen» (CV 257). Auch für junge Menschen «ist es wichtig zu wissen, dass sie allein aufgrund ihres Lebens eine Berufung haben und dass jeder dafür verantwortlich ist zu erkennen, wozu Gott sie ruft, wer sie ist und was sie tun sollen»[3].

 

[1] Vgl. zur Begleitungspastoral CV 203­­-247 «Die Pastoral der jungen Menschen».

[2] Vgl. zur Berufungspastoral CV 283-299 «Die Berufung».

[3] Abschlussdokument Vorbereitungstreffen 8.