8.6      Aktivierende Ermutigung

Kirchliche Jugendarbeitende in der OKJ verstehen ihre Rolle im Sinne eines Coaches, der*die junge Menschen zu Protagonist*innen ermutigt, sie darin unterstützt und mit gezielten Aufträgen fördert. Sie suchen daher immer nach Möglichkeiten, in denen sich junge Menschen mit ihren Fertig- und Fähigkeiten einbringen können.[1] Dabei muten sie jungen Menschen zu, z. B. bei Veranstaltungen und Projekten Teilbereiche zu verantworten oder sich in einer Weise zu beteiligen, die für die Umsetzung relevant sind. Durch die Beziehungsarbeit erkennen kirchliche Jugendarbeitenden die Talente und Charismen der jungen Menschen und animieren sie dazu, diese aktiv einzubringen.

Dies bedeutet, dass kirchliche Jugendarbeitende auch bewusst in den Hintergrund treten, um unterstützend wirken zu können und für die Begleitung der jungen Menschen Zeit zu haben. Sie verdeutlichen damit, dass die OKJ ein Ort ist, in dem junge Menschen Vorhaben verwirklichen und durch ihre Beiträge ausgestalten können. Wo OKJ als Veranstalterin auftritt und kirchliche Jugendarbeitende darin Verantwortung tragen (z. B. aufgrund von Verträgen, Bewilligungen usw.) sind immer auch junge Menschen involviert, die durch ihre Stile, ihre Art und Weise und ihre inhaltlichen Beiträge prägend mitwirken.

Für kirchliche Jugendarbeiter*innen in der OKJ steht folglich weniger im Vordergrund, dass sie für die jungen Menschen arbeiten – im Sinne eines Angebots, dass Jugendliche und junge Erwachsene konsumierend nutzen können oder in der Haltung, dass junge Menschen Empfänger*innen einer «Gutmensch-Aktion» sind. Dies erfordert auch das Aushalten von Zeiten, in denen wenig sichtbares geleistet werden kann, weil gerade keine jungen Menschen da sind, welche sich aktiv beteiligen wollen/können. Gleichzeitig bringt diese Haltung auch Zeiten hervor, die sehr arbeitsintensiv sind, weil junge Menschen etwas Umsetzen wollen oder ein Anliegen verfolgen, dem jetzt nachgegangen werden will. Diese Pendelbewegungen der Arbeitsbelastung müssen von den Auftragsgebenden als Gegebenheit anerkannt werden, die sich aus der leitenden Grundhaltung der kirchlichen Jugendarbeitenden ergibt, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten.

 

[1] Siehe dazu Kapitel 6.1 «Selbstwirksamkeit steigern»