8.8             Professionalität

Kirchliche*r Jugendarbeiter*in ist ein eigener Beruf, welcher im Berufsbild grundgelegt ist. Es handelt sich folglich um eine professionelle Tätigkeit, welche entsprechende Anforderungen an Ausbildungs- und Zusatzqualifikation und Weiterbildungen stellt. Kirchliche Jugendarbeitende weisen dabei vielfältige Ausbildungsqualifikationen (z. B. Religionspädagogik, Theologie, Sozialpädagogik, Soziale Arbeit, Soziokulturelle Animation, Gemeindeanimation etc.) auf. Die unterschiedlichen Ausbildungshintergründe und damit zusammenhängenden Berufsidentitäten tragen vor Ort zu einem interdisziplinären Team bei, das für die Pfarrei-, Pastoralraum- bzw. Seelsorgeteams eine Bereicherung darstellt. Sie bringen aufgrund ihrer beruflichen Hintergründe zusätzliche Sichtweisen und Aspekte ein, welche die pastoralen Tätigkeiten auch immer wieder kritisch hinterfragen und zu neuen Denk- und Handlungsweisen anstossen. Bei beruflichen Ausbildungen ohne religionspädagogischen oder theologischen Inhalte müssen für diese interdisziplinäre Zusammenarbeit die entsprechenden Kompetenzen durch Zusatzqualifikationen[1] und Weiterbildungen erworben werden, um Dialogfähig zu sein und sich dadurch gewinnbringend einbringen zu können. Jugendarbeitende erhalten durch diese Weiterbildungen auch jene Kompetenzen, welche für das pastorale Arbeitsfeld offene kirchliche Jugendarbeit profilgebend sind.

Kirchliche Jugendarbeitende verstehen ihre Profession als Jugendarbeitende, welche zusätzlich die Bereiche Religion, Spiritualität und Glaube als festen Bestandteil ihrer Arbeit sehen und diese auch in die (Zusammen-)Arbeit mit jungen Menschen integrieren möchten. Sie verfügen dazu Kenntnisse über die Bibel als Glaubensgrundlage, der kath. Lehre, den unterschiedlichen christlichen Konfessionen und Spiritualitäten, Weltreligionen und weisen eine spirituelle Grundkompetenz aus. Sie haben ein reflektiertes Bewusstsein gegenüber der kath. Kirche als Trägerin ihrer Arbeit und können dieses differenziert kommunizieren. In ihrem Selbstverständnis sind sie selbst stetig Suchende bzw. Fragende und stellen ihre Erfahrungen des Lebens und Glaubens jungen Menschen inspirierend zu Verfügung. Gleichzeitig sind sie aber immer auch offen, von jungen Menschen zu lernen. Sie reflektieren ihre eigenen Stärken und Schwächen und kennen dadurch ihre Grenzen und Möglichkeiten. Aufgrund ihres Qualitätsbewusstseins verstehen sie sich in professioneller Weise nicht als Alleskönnende und -wissende, sondern beziehen externe Ressourcen mit ein, wo der Anspruch an Qualität dies erfordert.

Die Arbeit als kirchliche*r Jugendarbeiter*in verlangt

  • einen hohen Einsatz der Persönlichkeit,
  • eine aktive Pflege der eigenen Spiritualität und Glaubenswelt,
  • Auseinandersetzung und Reflexion aktueller gesellschaftlicher und kirchenpolitischer Geschehnisse und daraus resultierenden Fragestellungen,
  • selbstkritische Überprüfung der eigenen Arbeitsweise und die stetige Suche nach Optimierungsmöglichkeiten,
  • ein Interesse an aktueller Fachliteratur, Forschungsprojekten und digitalen Entwicklungen und deren Beurteilung betreffend der Bedeutsamkeit für die Arbeit mit jungen Menschen,
  • eine stetige Verbesserung der Selbst- und Sozialkompetenz,
  • ein hohes Mass an Kreativität zur Schaffung von wertvollen Momenten, inspirierenden Auseinandersetzungen, provozierenden und überraschenden Situationen, die aus den jungen Menschen kreatives und wertvolles herausvorzubringen vermögen
  • und vieles mehr.

Die Arbeit mit jungen Menschen ist eine Arbeit mit der Lebensphase Jugend, welche die Entwicklung des Menschen in hohen Masse beeinflusst und geprägt ist von Verletzlichkeit, Unsicherheit und Tatendrang. Sie erfordert deshalb eine hohe Sensibilität gegenüber den Menschen, die sich in dieser Lebensphase befinden. Leitend dafür ist ein professionelles Arbeiten, das durch fundiertes Handeln und Sprechen zum Ausdruck kommt.

Auftragsgebende müssen sich dieser anspruchsvollen Arbeit bewusst sein und nebst guter Auswahl des Personals bei der Anstellung auch die Arbeit des*r kirchlichen Jugendarbeiters*in unterstützend begleiten. Dazu gehört das Bewusstsein, dass diese Arbeit auch Zeiten der Inspiration und der Musse bedarf, Weiterbildungen, fachlichen Austausch und gemeinsam festgelegte Wirkungsziele erfordert. Dies können Auftragsgebende schon dadurch bewirken, indem sie die zur Verfügung gestellte Arbeitszeit in einem realistischen Verhältnis von verplanter Arbeitszeit und unverplanter Arbeitszeit einteilen bzw. ein solches Verhältnis der Arbeitszeit in der Planung einfordern.

 

[1] Fachausweis kirchliche*r Jugendarbeiter*in nach ForModula.