1.3      Altersgruppen

Zur Zielgruppe der Jugendarbeit werden im Allgemeinen 12 bis 25-Jährige gezählt.[1] Darin gilt es entwicklungsbedingte Unterscheidungen zu erkennen, welche jedoch nur ungenau in Alterssegmenten abgebildet werden können. Kinder bis 12 Jahren gehören nicht zur Zielgruppe Jugend[2].

 

Ziel- und Altersgruppen der OKJ

Die OKJ zählt zu ihrer Zielgruppe alle[3] junge Menschen, die sich im Alter zwischen 12 und 29 Jahren[4] befinden. Die entwicklungsbezogene Zuordnung zu einer Altersgruppe ist künstlich und in der Realität verfliessen diese Übergänge. Aus den Arbeitsweisen sowie Kernzielen der OKJ, welche sich immer an der persönlichen Entwicklung des jungen Menschen orientiert, ergeben sich primäre, sekundäre und tertiäre Zielgruppen.

Die Zielgruppen ergeben sich, nebst einer Unterteilung in Alterssegmente, auch aus den Beobachtungen der Lebenswelt junger Menschen bezüglich ihrer Mobilität, veränderten Interessenslagen und Aneignung der Welt – vom Geburtsort bis Global. Daraus lässt sich schliessen, dass sich OKJ nicht ausschliesslich im Territorium der Pfarrei bzw. der Pastoralräume/Seelsorgeeinheiten realisierten darf, sondern sich auch im kategorialen Verständnis ausgestalten muss. Dazu muss sie auf regionaler, kantonaler und nationaler Ebenen jungen Menschen die Möglichkeit geben, mit Kirche aufgrund ihrer Interessen in Beziehung treten zu können. Bei jungen Erwachsenen ist eine internationale Zusammenarbeit angezeigt, mindestens aber eine Vernetzung zu Akteur*innen, welche in den verschiedenen Ländern der Welt aktiv sind.

 

Territoriale Jugendarbeit der OKJ

Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren bewegen sich primär in ihrer Stadt oder Gemeinde sowie den Agglomerationsgemeinden bzw. umliegenden Gemeinden. Dieses Territorium entspricht demjenigen der Pfarrei / Kirchgemeinde und den Pastoralräumen bzw. Seelsorgeeinheiten. Die OKJ bietet den Jugendlichen in diesem Lebensraum ihr entsprechende Möglichkeiten und hat daher einen starken Ortsbezug.

 

Kategoriale Jugendarbeit der OKJ

Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 25 Jahren verfügen über eine gesteigerte Mobilität und differenzieren ihre Interessen zunehmend aus. Dabei erhält das spezifische Interesse fortscheitend ein höheres Gewicht, wenn es um die Entscheidung bezüglich Freizeitgestaltung und Engagement geht. Die Suche nach Gleichgesinnten und interessenbezogenen Möglichkeiten überschreitet den Lebensraum 12 bis 15-Jähriger und führt sie dabei vermehrt auf regionale und kantonale Ebenen.

Kategoriale Jugendarbeit meint eine interessensbezogene Jugendarbeit, unabhängig des Wohnortes junger Menschen. Durch Beruf, Studium und andere biografische Begebenheiten werden im Alter der jungen Erwachsenen zunehmend Bekanntschaften gemacht, die sich über die Kantone hinaus erstrecken. Die damit entdeckten Orte und Möglichkeiten werden zu «Rauminseln» [5] in der Lebenswelt der jungen Erwachsenen, zu denen sie von ihrem Wohnort aus hinreisen. Die Beziehung zum Wohnort verändert sich dadurch in seiner Bedeutung als Lebensraum. Der Wohnort kann sich folglich von einer Ortgebundenheit zu einer Ortsverbundenheit wandeln oder er wird aufgrund von ökonomischen und verkehrstechnischen Gründen gewählt, wobei die «Rauminseln» die zentralen Orte der Freizeitgestaltung und des Engagements bilden. In beiden Fällen bedingen passende Möglichkeiten, den Interessen oder dem gewünschten Engagement nachgehen zu können, die aktive Teilnahme.

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Erläuterungen zur Illustration 

Tertiäre Zielgruppe (12 bis 15 Jahre)

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Die Darstellung zeigt in der Mitte den Erfahrungsschatz, den junge Menschen in der Pfarrei bzw. dem Pastoralraum / der Seelsorgeeinheit machen können. Dies deckt sich während dem Aufwachsen mit dem Lebensraum junger Menschen.

 

Bedürfnisorientiertes Arbeiten mit den Jugendlichen steht im Vordergrund. Die Ausgestaltung ist Angebotsgeprägt, um den Jugendlichen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu bieten, sich untereinander treffen zu können und gemeinsame Erlebnisse ausserhalb von Schule und Familie zu erleben.

Beziehungsaufbau, kennenlernen der Möglichkeiten der OKJ und Vorhaben mit einer angepassten Partizipation sind die primären Intentionen der Arbeit mit der tertiären Zielgruppe.

Die erforderlichen Kompetenzen liegen primär in der Begleitung und der soziokulturellen / spirituellen Animation. Qualifikationen im Bereich der Entwicklungspsychologie (inkl. religiöser Entwicklung), der Qualitätssicherung und -entwicklung sowie des Projektmanagements gewährleisten eine gute OKJ.

Primäre Zielgruppe (16 bis 25 Jahre)

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Der mittlere Bereich der Darstellung weist auf die regionale/kantonale Ebene hin, welche Interessen und Bedürfnissen in einem grösseren Lebensraum von jungen Menschen Raum bieten kann. Auf lokaler Ebene finden junge Menschen oft zu wenig Gleichgesinnte mit denselben spezifischen Interessen bzw. Bedürfnissen, um diesen als Gruppe nachgehen zu können. OKJ bietet diesen jungen Menschen durch regionale und kantonale Zusammenarbeit die Möglichkeit, entsprechende Projekte und Vorhaben realisieren zu können.

 

Interessensorientierter Diversität durch passende Erlebnis- und Resonanzräume begegnen, sowie erweiterte Möglichkeiten für junge Menschen bieten, steht im Vordergrund der Arbeit. Das Einbinden junger Menschen in Entscheidungsprozesse wird zentral und eine sich steigernde Partizipation wird animiert.

Begleitung, Coaching, Animation, Befähigung, gesteigerte bis hohe Partizipation und begleitete Selbstorganisation sind die vordergründigen Intentionen der Arbeit mit dieser Zielgruppe.

Die erforderlichen Kompetenzen von kirchlichen Jugendarbeitenden ergeben sich aus den Intentionen der Arbeit und bedingen entsprechender Weiterbildung. Personen mit Qualifikationen im Bereich der Sozialen Arbeit / soziokultureller Animation sowie andere Berufsausbildungen bzw. Vorbildungen bedürfen Zusatzqualifikationen in Religionspädagogik und Theologie, um fundiert die religiösen und spirituellen Suchprozesse von jungen Menschen unterstützen zu können. Personen mit einer religionspädagogischen und/oder theologischen Ausbildung anderseits bedürfen Zusatzqualifikationen im Bereich der Sozialen Arbeit / soziokulturellen Animation, um die sozialen und soziokulturellen Prozesse in dieser Lebensphase fundiert unterstützen zu können.

Sekundäre Zielgruppe (22 bis 29 Jahre)

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Der obere Bereich der Darstellung steht für die Ebenen Kantonal bis International, welche in der vorausgehenden Logik agiert. Hier spielt zudem der vertretbare Aufwand eine zentrale Rolle. Je nach Interesse und Bedürfnis lassen sich die Aufwände aufgrund der erforderlichen Ressourcen oder technischen Voraussetzungen nur noch auf Deutschschweizer oder nationaler Ebene vertreten.

 

Interessensorientierte Diversität mit passenden Erlebnis- und Resonanzräumen steht auch hier im Vordergrund. Hinzu kommt verstärkt die Bereitstellung von Möglichkeiten für das Engagement junger Erwachsener. Die Einbindung in Entscheidungsprozesse ist zentral und die Beteiligung in kirchlichen (Entscheidungs-)Gremien wird animiert.

Begleitung, Coaching, Animation, Befähigung, hohe Partizipation bis Selbstorganisation sowie die verantwortete Beteiligung junger Menschen in der OKJ zugunsten der tertiären und primären Zielgruppe sind die vordergründigen Intentionen der Arbeit mit der sekundären Zielgruppe.

Die Kompetenzen und Qualifikationen entsprechen denselben, wie für die primäre Zielgruppe. Hinzu kommen Qualifikationen im Bereich der Erwachsenenbildung und des Freiwilligenmanagements. Verstärkt gefordert ist zudem die Kompetenz der Unterstützung in Berufungsprozessen bzw. der Berufungspastoral.

 

[1] Vgl. KJFG, Art. 4a: https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20092618/index.html und Grundlagen 8

[2] Vgl. Grundlagen 8 oder Shell Studie https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie.html

[3] «Auf der Synode wurde dazu ermutigt, eine Jugendpastoral aufzubauen, die fähig ist, inklusive Räume zu schaffen, wo Platz ist für jede Art von jungen Menschen und wo wirklich sichtbar wird, dass wir eine Kirche mit offenen Türen sind.» (CV 234)

[4] Die Jugendsynode hatte 16 – 29-Jährige im Blickfeld, vgl. KJFG Art 4b: https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20092618/index.html

[5] Deinet, Ulrich (Hrsg.); Sturzenhecker, Benedikt (Hrsg.): Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit. Wiesbaden: Springer VS, 42013, 601ff.