1.4      Grundhaltungen

Die Organisationsform resultiert aus der Offenheit gegenüber den pluralen Glaubens- und Lebenswirklichkeiten junger Menschen. Eine positive Sichtweise auf die Diversität von jungen Menschen zählt zu den Grundhaltungen offener kirchlicher Jugendarbeit. Leitend dafür ist die Überzeugung, dass alle jungen Menschen, unabhängig ihrer sozialen, kulturellen oder religiösen Zugehörigkeit, ihrer persönlichen Weltanschauung oder sexuellen Identität, von Gott vorbehaltslos angenommen sind.[1] Daher setzt sich die OKJ inner- wie ausserkirchlich für die Gleichberechtigung aller Menschen ein und wirkt gegen Geschlechterstereotypen sowie Diskriminierung jeglicher Art. Die Zuwendung Gottes ist ein Geschenk und an keine Verdienste oder Leistungen geknüpft[2], was die offene kirchliche Jugendarbeit zu einem Ort macht, der ohne Leistungsdruck und -beurteilung zu Beteiligung und Engagement animiert.

OKJ baut auf das personale Angebot der kirchlichen Jugendarbeiterin*/des kirchliche Jugendarbeiters*. In der Zusammenarbeit mit jungen Menschen sieht OKJ die Realisierung des Evangeliums auch dort, wo Vergemeinschaftung geschieht bzw. das Leben geteilt wird, ohne dass religiöse Praxen oder Sprache zum Ausdruck kommen. Die kirchliche Jugendarbeiterin*/der kirchliche Jugendarbeiter* repräsentiert die kath. Kirche in ihrer*/seiner Person* und schafft dadurch eine Situation, die jungen Menschen den Kontext Kirche[3] erkennen lässt.

Mit dem für junge Menschen erkennbaren Profil: «Diese Person kann ich für Fragen zu Glauben, Spiritualität und Religion ansprechen», schafft die kirchliche Jugendarbeiterin*der kirchliche Jugendarbeiter der OKJ einen animierenden Kontaktpunkt für junge Menschen. Sie reagiert dabei situationsgerecht auf die jungen Menschen mit ihren Bedürfnissen und Erwartungen. Weder preist OKJ eine eigene Glaubenslehre an, noch schliesst sie junge Menschen aufgrund ihrer Glaubensüberzeugungen aus. Sie wirkt im authentischen Masse vermittelnd zwischen den Glaubensvorstellungen der jungen Menschen und der Lehre der kath. Kirche.

 

Ökumene

Die Grundlagen OKJ sind aus der konfessionellen Wirklichkeit der röm.-kath. Kirche formuliert. Der Fachterminus OKJ möchte dabei keinen röm.-kath. Alleingang in der Arbeit mit jungen Menschen äussern. Das in den Grundlagen OKJ gezeichnete Profil möchte vielmehr ein erkenn- und fassbares Gegenüber bieten, das zur Zusammenarbeit und zur gelebten Ökumene führt. Dabei stehen die auf dem Glauben an den Auferstandenen beruhenden Gemeinsamkeiten im Vordergrund und geben genügend Anlass, wo immer möglich, gemeinsam für Menschen in der Lebensphase Jugend einzustehen und mit jungen Menschen Wege zu gehen, welche durch Geschwisterlichkeit geprägt sind.

 

[1] «Alle Jugendlichen sind ohne Ausnahme in Gottes Herz und somit auch im Herzen der Kirche.» (AD 117)

[2] Vgl. gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, Nr. 7.

[3] Vgl. Erlebnispädagogik, Lernmodell «The Mountains Speak for Themselves».