1.5    Rahmen der offenen kirchlichen Jugendarbeit

OKJ ist ein professionelles Arbeitsfeld der Jugendpastoral, d. h. kirchliche Jugendarbeitende haben eine Anstellung, einen schriftlichen Auftrag und verfügen über entsprechende Ausbildungen. Sie verwirklichen zusammen mit Freiwilligen, jungen Menschen und Fachkräften aus verschiedenen Arbeitsbereichen OKJ.

OKJ reiht sich in die Kirchliche Jugendarbeit ein und positioniert sich innerhalb der Pastoral folgendermassen[1]:

 

Gesamtpastoral

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Die Gesamtpastoral beinhaltet sämtliche Arbeitsbereiche der kath. Kirche der Schweiz: Jugend-, Familien-, Erwachsenen- und Seniorenpastoral. Hinzu kommen noch weitere kategoriale Seelsorgebereiche: Migratenseelsorge, Behindertenseelsorge, Gefängnisseelsorge, Spitalseelsorge usw.

Jugendpastoral

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  • Religionsunterricht
    Sekundarstufe 1 und weiterführende Schulen
    Hauptziel: Kompetenzerwerb durch religiöse Bildung im Setting der formalen Bildung.
  • Katechese[2] mit Jugendlichen

LeRUka, Zyklen 3 und 4
Hauptziel: Beheimatung im Glauben und in der Pfarrei im Setting der non-formaler Bildung.

  • Kirchliche Jugendarbeit

12 bis 25-Jährige

Hauptziel: Entwicklung, Wegbegleitung und partizipativer Freizeitgestaltung im Setting der non-formalen und informellen Bildung[3].

Kirchliche Jugendarbeit

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  • verbandliche Jugendarbeit
  • verbandsähnliche Jugendarbeit

Hauptziel: Entwicklung, Wegbegleitung und partizipative Freiraumgestaltung.

  • offene kirchliche Jugendarbeit

Hauptziel: Entwicklung, Wegbegleitung innerhalb der individuellen Glaubenswelt und partizipative Mitgestaltung der Kirche.

  • offene Jugendarbeit in kirchlicher (Mit-)Trägerschaft

Hauptziel: Entwicklung, partizipative Freiraumgestaltung sowie aktive und altersgerechte Beteiligung an der Gesellschaft.

Unterscheidung verbandliche / verbandsähnliche zu OKJ / OJA in kirchlicher Mitträgerschaft

Die Hauptunterscheidung liegt in der strukturellen Verfasstheit der beiden Formen der kirchlichen Jugendarbeit.

Verbandliche Jugendarbeit ist in lokalen Vereinen organisiert, welche sich auf nationaler Ebene zu einem Verband zusammengeschlossen haben (Jubla und VKP[4]). Die Angebote der Jugendverbände richten sich folglich an Kinder und Jugendliche, welche Mitglieder in einem ihrer Vereinen sind. Mit «verbandsähnlich» werden Jugendvereine in Pfarreien oder Jugendabteilung von Erwachsenenvereinen (z.B. Kolping) bezeichnet, welche jedoch über keine Verbandszusammenschluss verfügen. Sie richten ihre Angebote wie die Jugendverbände an ihre Mitglieder. Ebenso werden als «verbandsähnlich» die Ministrant*innenpastoral, kirchliche Jugendchöre, usw. bezeichnet. Die Beteiligung an ihren Angeboten sind an dauerhafte Verpflichtungen gebunden, wie der Ministrant*innendienst oder die Teilnahme an Chorproben.

Offene (Kirchliche) Jugendarbeit arbeitet bewusst ohne Mitgliederstrukturen oder dauerhaften Verpflichtungen. «Offen» bezeichnet folglich für Jugendliche die freie Beteiligung und Teilnahme an Projekten, Anlässen und Aktivitäten[5].

Offene kirchliche Jugendarbeit weist dabei mit «kirchlich» eine inhaltliche Unterscheidung zur Offenen Jugendarbeit aus: Themen der Kirche wie Glauben, Spiritualität und Religion sind festen Bestandteil ihrer Arbeit[6]. Demgegenüber steht das Prinzip «Offenheit» der OJA: «Dazu verhält sie sich konfessionell und parteipolitisch unbeteiligt.»[7]

Katholische Bewegungen und Initiativen

Katholische Jugendbewegungen und Jugendinitiativen sowie die Jugendarbeit von kath. Bewegungen sind Glaubensgemeinschaften mit je eigenen theologischen Schwerpunkten und Missionsverständnis. Die Gemeinschaften haben teilweise Ortsgruppen oder führen regionale und nationale Treffen durch. Sie unterscheiden sich von der Kirchlichen Jugendarbeit insofern, als dass sie sich ausserhalb der staatskirchenrechtlichen Struktur der katholischen Kirche der Schweiz befinden. Der grösste Teil von ihnen ist kirchliche anerkannt, dies bedeutet, dass ein Bischof ihre Statuten anerkannt hat. Über die Ordinarienkonferenz der Jugendvereinigungen (OKJV) findet ein Austausch zwischen den Bewegungen / Initiativen und der Kirchlichen Jugendarbeit statt. An verschiedenen Orten finden anlassbezogene Zusammenarbeiten statt, Kirchgemeinden stellen Ortsgruppen Räumlichkeiten zur Verfügung oder unterstützen sie durch Spendenbeiträge.

 

[1] Vgl. Klarsicht, Kapitel 2.

[2] Mit Katechese wird eine Sammlung verschiedenster Arbeitsfelder bezeichnet. Die Ausgestaltung der Angebote orientieren sich am Religionsunterricht. Eine Klärung, was Katechese ist bzw. wo ihre Abgrenzungen und Eigenheiten liegen, besteht nicht. In der OKJ kann es auch zu katechetischen Prozessen kommen. Dabei...

[3] Vgl. Wahrnehmen können. Jugendarbeit und informelle Bildung, (zur Kurzdefinition non-formal und informell siehe Fussnote 2 S. 12), Müller, Schmidt, Schulz, Lambertus, 2008.

[4] Der VKP ist ein Verband innerhalb der Pfadibewegung Schweiz und kein eigenständiger Verband wie die Jubla.

[5] Vgl. Schenker, Freiheit 105.

[6] Vgl. 1.2 OKJ mit kirchlichem Auftrag, OKJ mit der Profession Kirchlicher Jugendarbeit

[7] DOJ, Grundlagen 5.