1.6      Offene Kinder- und Jugendarbeit in kirchlicher (Mit-)Trägerschaft

In einigen kath. Kirchgemeinden der Deutschschweiz existieren aufgrund von Zusammenarbeit mit der Gemeinde bzw. Stadt gemeinsame Trägerschaften für die Offene Kinder- und Jugendarbeit. Die Formen der kirchlichen Mitträgerschaft weisen dabei finanzielle, personelle und räumliche Beteiligungen auf. An vereinzelten Orten ist die kath. Kirchgemeinde alleinige Trägerin der OKJA.

«Die Offene Kinder- und Jugendarbeit ist ein Teilbereich der professionellen Sozialen Arbeit mit einem sozialräumlichen Bezug und einem sozialpolitischen, pädagogischen und soziokulturellen Auftrag.»[1] OKJA verfügt über eigene Grundlagen[2] und kann nicht mit der OKJ gleichgesetzt werden, auch wenn eine kirchliche (Mit-) Trägerschaft besteht. Der Themenkreis Glaube, Spiritualität und Religion wird bewusst ausgeklammert, um einen Raum zu gewährleisten, in dem sich Jugendliche auf die soziokulturellen Herausforderungen fokussieren können.

Pfarreien / Kirchgemeinden, die Offene Kinder- und Jugendarbeit (mit-)tragen möchten, «sollten [...] klären, ob die eigenen Grundhaltungen und das eigene Menschenbild zu den geforderten Haltungen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit passen und ob die geforderte Abstinenz in der Glaubensvermittlung und der Missionierung durchgehalten werden kann.»[3]

Die Fachstelle OKJ steht dabei Kirchgemeinden und Pfarreien betreffend Offene Kinder- und Jugendarbeit in kirchlicher (Mit-)Trägerschaft aufgrund ihres Einsitzes im Vorstand des Dachverbands Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz (DOJ) für Beratungen zur Verfügung.

Die fachliche Unterscheidung ist wichtig!

Die fachliche Unterscheidung schützt vor Missverständnis und fördert gelingende Zusammenarbeit zwischen Offener Jugendarbeit und offener kirchlicher Jugendarbeit.

Die Offene Jugendarbeit (OJA) ist eine wichtige Partnerin für die OKJ. Durch Zusammenarbeit können Synergien erschlossen werden, welche den jungen Menschen sowie der OJA und OKJ zugutekommen. So sind Formen gelingender Zusammenarbeit möglich, in denen für junge Menschen dennoch im Klarheit besteht, in welchem Rahmen sie sich gerade befinden. Die (Mit-)Trägerschaft der Kirche darf nicht dazu verwendet werden, Glaubensinhalte oder -praktiken in den Kontext der Offenen Jugendarbeit einfliessen zu lassen. Daher ist es wichtig, dass OKJ das kirchliche Profil innehat und so die Transparenz im Kontext der offenen Arbeit mit jungen Menschen gewährleistet.

Auf der Suche nach dem optimalen Zusammenspiel

Kirchliche Jugendarbeitende der OKJ können durch Mitarbeit in der OJA einen wichtigen Beitrag dahingehend leisten, dass z. B. der Jugendtreff vermehrt geöffnet werden kann oder die personelle Vielfalt der Jugendarbeitenden zugunsten der jungen Menschen erweitert wird.

OJA und OKJ haben nicht nur dieselbe Zielgruppe, die Prinzipien[4] der OJA decken sich bis auf «konfessionell unbeteiligt» gänzlich. Das gemeinsame Prinzip der Niederschwelligkeit verbindet OJA und OKJ durch ihre strukturelle Verfasstheit. Diesem Prinzip liegt das gemeinsame Anliegen zugrunde, gerade auch für bildungsfernere, sozial schwächer gestellte oder im Prozess der Integration befindende junge Menschen einfache, rasche und freie Zugangsmöglichkeiten bereitzustellen. Ebenso teilen OJA und OKJ den pädagogischen Auftrag, der die Entwicklung der jungen Menschen unterstützen will.

In der Offenen Jugendarbeit kommen die Themen Glauben, Spiritualität und Religion unweigerlich auf. OKJ kann sich dabei als kompetente Partnerin für diese Themen anbieten und so ergänzend wirken. Vertiefende Auseinandersetzungen zu Glauben, Spiritualität und Religion kann die OKJ in deklarierten Settings (auch im Jugendtreff der OJA) aufgrund des Bedarf anbieten. Gleichzeitig profitiert die OKJ vom Know-How der Jugendarbeitenden der OJA und kann durch Zusammenarbeit ihre eigenen Projekte optimieren.

 

[1] DOJ, Grundlagen 5.

[2] Vgl. DOJ, Grundlagen.

[3] DOJ, Religiöse Organisationen.

[4] Vgl. DOJ, Grundlagen 5.