2.2      OKJ als Resonanzraum

Die OKJ als Resonanzraum[1] versteht sich als Ort, an welchem sich junge Menschen mit Lebens-, Sinn- und Glaubensfragen auseinanderzusetzen können, um dabei mit der Welt und existentiellen Fragen in Beziehung treten zu können. Das Ziel dabei ist, dass junge Menschen existentiell berührt und so selbst verwandelt werden. Das entscheidende Momentum in der OKJ als Resonanzraum ist die Resonanz. Resonanz als Voraussetzung, um sich mit Inhalten so auseinanderzusetzen, dass für junge Menschen ein «Weltausschnitt zum Sprechen gebracht»[2] wird.

Mit Resonanz ist das «prozesshafte In-Beziehung-Treten mit einer Sache»[3] gemeint. Davon ist Kompetenz und damit verbunden die kompetenzorientierte Arbeit, beispielsweise in einem pädagogischen Rahmen, zu unterscheiden. Während es bei Kompetenz darum geht, eine Technik zu beherrschen oder etwas zu können, dessen Wissen abgefragt werden kann, hat Resonanz die Absicht der «Anverwandlung von Welt»[4]. Im resonanz-sensiblen Erschliessen von Lebens-, Sinn- und Glaubensfragen wird für junge Menschen im Resonanzraum OKJ ein Weltausschnitt zum Sprechen gebracht und hat das Potential, die jungen Menschen selber zu verwandeln.

Ein Resonanzraum entsteht, wenn die Beziehungs- bzw. Resonanzachsen zwischen den drei wesentlich beteiligten Parteien stabil sind (siehe Grafik unten). Dabei fungieren die kirchlichen Jugendarbeitenden als «erste Stimmgabel»[5], die ihrerseits für die Inhalte der OKJ brennen, um den Funken auf die jungen Menschen überspringen zu lassen. Die beidseitige Begeisterung für Lebens-, Sinn- und Glaubensfragen und die mannigfachen Umsetzungsmöglichkeiten in Projekten bringen die Resonanzdrähte zwischen den kirchlichen Jugendarbeitenden, jungen Menschen und Inhalten zum Glühen.

Ein wichtiges Element für Resonanzerfahrungen junger Menschen ist das Erleben und Erfahren von Selbstwirksamkeit. Durch Mitbestimmung, Verantwortung und das aktive Mit-Gestalten von Prozessen erhalten junge Menschen das Gefühl, etwas oder jemanden zu erreichen. Die Möglichkeit, Dinge in Bewegung bringen zu können trägt wesentlich dazu bei, mit der Welt und Lebens-, Sinn- und Glaubensfragen in Beziehung treten zu können und sich verwandeln zu lassen.

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Schema 1: Das Schema «Resonanzraum OKJ» ist eine Adaption des Resonanzdreiecks[6] nach Hartmut Rosa.

 

OKJ als Erlebnisraum und als Resonanzraum

OKJ als Erlebnisraum und OKJ als Resonanzraum verhalten sich komplementär zueinander. Die beiden Konzepte können jeweils nicht ohne das andere funktionieren bzw. das eine bedingt das andere: Anlässe, Projekte, Initiativen o.ä. in einem Erlebnisraum können aus einer vertieften Auseinandersetzung in einem Resonanzraum entstehen; umgekehrt können sie einen Ausgangspunkt sein, um über Lebens-, Sinn- und Glaubensfragen aufgrund eines Erlebnisses zu reflektieren und nachzudenken. Gleichzeitig wird es den Anliegen der OKJ nicht gerecht, wenn die beiden Konzepte zwar komplementär zueinander, aber als grundlegend eigenständig betrachtet werden. Es kann durchaus vorkommen, dass je nach Situation vermehrt ein Erlebnisraum oder ein Resonanzraum «gefordert» ist. Grundsätzlich aber strebt die OKJ in ihrer Arbeit mit jungen Menschen nach Momenten in der Schnittstelle dieser beiden Räume.

Jugendarbeitende nehmen einen Bedarf bei jungen Menschen wahr à In welche Richtung geht es? Ein Aspekt Resonanzraum im Erlebnisraum und umgekehrt

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[1] Hintergrund der Idee «Resonanzraum OKJ» steht das Konzept der «Resonanzpädagogik» nach Hartmut Rosa. Vgl. dazu Endres, Wolfgang/Rosa, Harmut: Resonanzpädagogik. Wenn es im Klassenzimmer knistert. Weinheim Basel 22016.

[2] Vgl. Rosa/Endres Resonanzpädagogik 18.

[3] Rosa/Endres Resonanzpädagogik 7.

[4] Ebd.

[5] Rosa/Endres Resonanzpädagogik 51.

[6] Vgl. dazu Rosa Resonanz 411.