5                Prinzipien

OKJ stützt sich auf die Arbeitsprinzipien, die im Berufsbild bei «Grundlagen» beschrieben sind. Gleichzeitig sieht sie sich den Grundsätzen der Magna Charta verpflichtet.

Die in den «Grundlagen für Entscheidungsträger*innen und Fachpersonen»  (DOJ) formulierten Grund- und Arbeitsprinzipien sind für die OKJ ebenso zentral, sie müssen jedoch dem Kontext der OKJ entsprechend adaptiert werden.

Übereinstimmungen mit den Grund- und Arbeitsprinzipien der OKJA sind überall dort zu finden, wo es um Orientierung an, Zugangsmöglichkeit für und Umgang mit jungen Menschen geht. Da die OKJ aufgrund ihrer katholischen Trägerschaft konfessionelle Spezifika beinhaltet und die Themen Glauben, Spiritualität und Religion fester Bestandteil ihrer Arbeit ist, bedarf es dafür OKJ-spezifische Prinzipien. Im Folgenden sind nun Prinzipien ausformuliert, welche Profil der OKJ massgebend mitprägen.

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5.1          Beziehung und Animation

Beziehung kann in der OKJ nie Selbstzweck sein, da Beziehung in der OKJ stets auf die Entwicklung und Förderung von jungen Menschen zielt: «Durch die Wegbegleitung sollen junge Menschen in ihrer persönlichen Entfaltung unterstützt werden.»[1]

Das entscheidende Subjekt in der OKJ ist in jedem Moment der junge Mensch mit seinen Interessen, Anliegen und Fragen einerseits und mit seiner immer schon gegebenen Gottesbezogenheit[2] andererseits. Dass junge Menschen ihre Interessen oder Anliegen kirchlichen Jugendarbeitenden anvertrauen oder sich auf eine Auseinandersetzung mit der eigenen Gottesbeziehung («Sich-Nahen»[3]) einlassen (können), setzt einen Erlebnis- und/oder einen Resonanzraum[4] voraus. Die dafür nötige Beziehungsarbeit und -pflege ist für kirchliche Jugendarbeitende zentral und soll folglich im Bewusstsein der Wichtigkeit im Arbeitsalltag von kirchlichen Jugendarbeitenden genügend Zeit in Anspruch nehmen dürfen.

Damit die Beziehungsarbeit und -pflege Früchte tragen kann, benötigt es immer auch Animation. Offene kirchliche Jugendarbeit versteht Animation als «provokare»[5] mit dem Ziel, dass der junge Mensch dahingehend animiert wird, «bereits vorhandene Ressourcen in sich zu entdecken, diese einzusetzen und seinen Vorstellungen und Interessen nachzugehen»[6]. Jungen Menschen soll so die Möglichkeit gegeben werden, sich mit ihrem Innersten auseinandersetzen und Verborgenes/das Göttliche entdecken und artikulieren zu können.

Beziehung und Animation verhalten sich gemäss dem Verständnis offener kirchlicher Jugendarbeit reziprok. Dies bedeutet, dass das Eine immer auch das Andere bedingt bzw. bewirkt. Ohne Animation ergibt sich keine Beziehung; ohne Beziehung gelingt keine Animation. Je nach Kontext und Situation steht Beziehung oder Animation am Beginn eines Prozesses, in jedem Fall aber führt das Eine zum Anderen. Je tiefer diese mehrdimensionale Verwiesenheit von Beziehung und Animation gelingt, desto fruchtbarer, bereichernder und nachhaltiger wirkt offene kirchliche Jugendarbeit; für alle Beteiligten.

 

[1] Klarsicht, Kapitel 2.4.

[2] Vgl. Kapitel 3.6 «Konzept der Mystatogie».

[3] Vgl. Kapitel 3.6 «Konzept der Mystatogie».

[4] Vgl. Kapitel 2.2 «OKJ als Resonanzraum».

[5] Vgl. dazu Filliger Koller, Priska (Hg.): geistvoll. Werkbuch Spiritualität in der kirchlichen Jugendarbeit, St. Gallen: Rex Verlag, 12020, 46.

[6] Klarsicht, Kapitel 2.4.

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5.2           Inklusive OKJ

OKJ realisiert das Prinzip der Inklusion , ein «Ganzes» zu schaffen, das keine Separation erzeugt und sich als System der Vielfalt anpasst. Dabei achtet sie auf die individuellen Bedürfnisse, die gruppendynamischen Gegebenheiten und die spezifischen Möglichkeiten und Interessen. Mit dem Prinzip der Inklusion zeigt die OKJ ihr Interesse an allen und ihr Engagement für alle jungen Menschen. Junge Menschen mit Behinderung, aus sozial belasteten Situationen, mit Flucht- oder Migrationshintergrund, jeglicher sexueller Identität und Orientierung (LGTBIQ+), aus allen sozialen Milieus und Einkommensschichten usw. sollen in der OKJ miteinbezogen werden. Dazu entwickelt sie ihre Methoden und Konzepte laufend weiter, um tragende Gemeinschaften bilden zu können, die sich durch eine Haltung von Toleranz und Akzeptanz auszeichnen.

Die durch junge Menschen (mit-)ausgewählten Themen, spezifischen Interessen, religiösen Praktiken und Fragestellungen erzeugen Gruppenbildungen innerhalb des angestrebten «Ganzen». Dies widerspricht nicht dem Prinzip der Inklusion, sondern ist ein Ausdruck der Diversität junger Menschen. OKJ fördert diese interessenbezogenen Gruppenbildungen, die es den jungen Menschen ermöglichen, sich mit Gleichgesinnten über gemeinsame Interessen, Anliegen etc. vertieft auseinanderzusetzen. Gleichzeitig ist OKJ darauf bedacht, dass diese Gruppen auch mit Menschen anderer Interessen und Anliegen im Dialog sind.

Das Prinzip der Inklusion fördert letztlich junge Menschen in ihrer persönlichen Entfaltung und positiven Verortung in einer pluralen Welt. Dabei stärken die Erfahrungen der Inklusion Werte wie Solidarität, Toleranz und Wertschätzung gegenüber Mitmenschen. 

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5.3           Generationenverbindend

Junge Menschen haben ein feines Gespür für die Gegenwart, für das Jetzt und was es bedeutet, in diesem Jetzt zu leben und zu über-leben.[1] Diesem Sensorium von jungen Menschen, die Zeichen der Zeit wahrzunehmen und zu erkennen, müssen die offene kirchliche Jugendarbeit zusammen mit Erwachsenen, ohne bevormundend zu sein, Sorge tragen.

Erwachsene spielen im Heranwachsen von jungen Menschen eine bedeutende Rolle. Gerade Grosseltern haben des Öftern einen ganz eigenen, sehr engen Zugang zu den Heranwachsenden. Papst Franziskus ist der Dialog und Austausch zwischen den Generationen sehr wichtig und hat dies jungen Menschen im Zuge einer Begegnung im Kontext der Jugendsynode 2018 am 6. Oktober 2018 an Herz gelegt:

«Sprecht mit den alten Menschen, sprecht mit den Großeltern: sie sind die Wurzeln, die Wurzeln eurer Konkretheit, die Wurzeln eures Wachstums, Gedeihens und Fruchtens. […] Hängt euch an die Wurzeln, bleibt aber nicht dort. Nehmt die Wurzeln und bringt sie voran, um Früchte zu tragen, und auch ihr werdet zu Wurzeln für die anderen.»[2]

Ähnliches hat Papst Franziskus älteren Menschen in Riga im September 2018 gesagt:

«Ihr, die ihr viele Zeiten durchlaufen habt, vergesst nicht, dass ihr Wurzeln eines Volkes seid, Wurzeln junger Triebe, die blühen und Früchte tragen sollen; bewahrt diese Wurzeln, haltet sie am Leben, damit die Kinder und jungen Menschen sich daran veredeln können […]».[3]

Als Wurzeln sind ältere Menschen inspirierende Vorbilder. Vorbilder im Ertragen und Hoffen. Im Ertragen von Dingen, die für junge Menschen heute selbstverständlich sind. Im Hoffen auf Dinge, die für junge Menschen heute keinen Traum mehr wert sind. Weil ältere Menschen «Ertragen» und «Gehofft» haben, können junge Menschen aus den ihnen gegebenen Möglichkeiten schöpfen.

OKJ setzt sich dafür ein, dass dieser so wertvolle Dialog und Austausch zwischen den Generationen nie verstummt. Sie versteht junge Menschen als gleichwertigen Teil der Kirche und der Gesellschaft. Dies kann sie nur erreichen, wenn ihre Arbeit junge Menschen nicht isoliert, sondern sie mit den Generationen in Kirche und Gesellschaft in Beziehung setzt. Projekte, Anlässe, Aktivitäten etc. im Rahmen der OKJ müssen nicht immer ausschliesslich für junge Menschen sein. Wo es der Kontext erlaubt bzw. sogar sinnvoll ist und für alle Beteiligten einen Mehrwert hat, dürfen und sollen mehrere Generationen an Projekten, Anlässen, Aktivitäten etc. der OKJ teilhaben/partizipieren.

 

[1] Vgl. Kapitel 4.3 «Junge Menschen sind Seismographen und Protagonist*innen».

[2] Papst Franziskus: Ansprache bei der Begegnung der Jugendlichen mit dem Heiligen Vater und den Synodenteilnehmer, 6. Oktober 2018: http://www.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2018/october/documents/papa-francesco_20181006_giovani-sinodo.html (zuletzt abgerufen am: 10. Oktober 2020).

[3] Papst Franziskus: Grussadresse beim Besuch der katholischen Jakobskathedrale (Lettland), 24. September 2018: http://www.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2018/september/documents/papa-francesco_20180924_visitasangiacomo-riga-lettonia.html (zuletzt abgerufen am: 10. Oktober 2020).

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5.4          Netzwerkarbeit

OKJ ist kein isoliertes Geschehen, sondern zeigt ihre Wirksamkeit bereits durch vielfältige Netzwerkpartner*innen aus. Mit ihnen zusammen erschliesst sie Methoden und Möglichkeiten, um den unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten junger Menschen fördernd begegnen zu können. In der Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteur*innen kann sie den verschiedenen Interessen und Bedürfnissen junger Menschen gerecht werden und ihre Kernkompetenzen[1] einbringen. Durch die Netzwerkarbeit schont sie auch ihre Ressourcen, indem sie Kompetenzen von Netzwerkpartner*innen miteinbezieht anstatt sie, unter erheblichem Aufwand, selbst zu erwerben. Sie schafft mit ihrer Netzwerkarbeit einen Mehrwert, indem sie jungen Menschen die unterschiedlichen Kompetenzen aus ihrem Netzwerk zugänglich macht. Mit dem Einbezug von «externen» Ressourcen und Kompetenzen und der eigenen Bereitschaft zur Mitarbeit bei Vorhaben der Netzwerkpartner*innen zeigt OKJ jungen Menschen die «Polyfonie (Vielstimmigkeit)» der Welt auf. Netzwerkarbeit hat folglich zum Ziel, jungen Menschen eine ganzheitlich fördernde «Grundlage» zu schaffen, aus der sie für ihre Entwicklung schöpfen können.

Das Abschlussdokument der Jugendsynode macht  deutlich (CV 14), dass die grosse «Fragmentierung der kirchlichen Pastoral» nicht förderlich ist. OKJ sieht darin die Bestätigung, dass generationen- und handlungs- bzw. arbeitsfeldverbindende Arbeit mit jungen Menschen unerlässlich ist, um Kirche erfahrbar zu machen. Innerkirchlich realisiert sich darum die bereichsverbindende Arbeit schwerpunktmässig mit dem Ziel, junge Menschen in der Gesamtpastoral zu beteiligen und generationenverbindend Kirche zu gestalten.

 

[1] Zu den Kernkompetenzen gehören primär das Arbeiten mit jungen Menschen zu Glauben, Spiritualität und Religion. Damit verbunden sind Fragestellungen zu Sinn, Werten und Moral/Sitten. Ebenso kann OKJ Rituale und Prozesse gestalten, die gemeinschaftsfördernd sind bzw. ein gemeinsames Erlebnis verstärken. Netzwerkpartner*innen verfügen über andere Kernkompetenzen wie Soziokulturelle Animation, Gemeindeanimation, Suchtprävention, digitale Medienpädagogik usw., die OKJ nicht per se ausweist. Vgl. dazu Kapitel 8 «Kirchliche*r Jugendarbeiter*in in der OKJ».

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5.5         Partizipative OKJ

Partizipation beinhaltet Freiwilligkeit und allen Beteiligten offenstehende, gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse. In einem durch Diskurs geprägten Prozess der Entscheidungsfindung werden Verbindlichkeit und Verantwortungsübernahme vereinbart. Partizipation weist eine Sensibilität gegenüber den Verhältnissen der Macht in diesen Prozessen aus und strebt dabei eine möglichst ausgeglichene Verteilung an. Im Stufenmodell nach Roger Hart wird deutlich, dass Partizipation verschiedenen Grade ausweisen kann. In der Zusammenarbeit mit jungen Menschen sucht OKJ daher immer nach dem möglichen und passenden Grad der Partizipation. Einen entsprechenden Partizipationsgrad zu wählen bzw. auszuhandeln gewährleistet, dass keine Unter- oder Überforderung produziert wird. Dabei versteht OKJ das Stufenmodell nicht als Leiter, die man mit zunehmenden Alter oder durch vergangene Beteiligungen hinaufsteigt. In einem Projekt können in den dazugehörenden Teilbereichen verschiedene Grade der Partizipation angewendet werden.

Partizipation beschränkt sich nicht auf die Mitbestimmung. Vielmehr fördert sie die Beteiligten zur aktiven Teilnahme und verbindlichem Mitwirken. Sie schliesst die Interessen, Ressourcen und Sichtweisen der Beteiligten mit in das Vorhaben ein und schafft so präzisere und wirkungsvollere Resultate. Aus diesen Gründen arbeitet OKJ partizipativ und unterstützt dabei junge Menschen früh Verantwortung zu übernehmen und damit Erfahrungen machen zu können. OKJ ist sich auch bewusst, dass sich aus unklaren Partizipationsrahmen Frustrationen ergeben und Scheinpartizipation demotivierend wirken. OKJ anerkennt, dass Partizipation als Menschenrecht verstanden wird und Teil der UN-Kinderrechtskonvention ist.

Von den jungen Menschen fordert OKJ eine aktive Beteiligung und nimmt eine kritisch-distanzierte Grundhaltung gegenüber reinen Konsumbedürfnissen ein. OKJ begegnet konsumorientierten Bedürfnissen von jungen Menschen jedoch differenziert und steht für Formen zur Verfügung, die als Quality time[1] erlebt werden.

Von der Kirche, Gesellschaft, Politik fordert OKJ echter Teilhabe, Mitentscheidung und Mitwirkung junger Menschen. OKJ sieht Kirche dazu verpflichtet, jungen Menschen Räume der Selbstbestimmung und Selbstverwaltung bereitzustellen, in denen sie altersentsprechend Kirche verwirklichen können. Sie kritisiert Alibi-Teilhabe und weist darauf hin, wenn die Prozesse mit Formaten gestaltet sind, welche die Partizipation von jungen Menschen verunmöglichen oder erschweren. OKJ stellt sich zur Verfügung, gemeinsam adäquate Settings zu finden, in denen junge Menschen und Erwachsene gemeinsame Prozesse und Entscheidungen vollziehen können.

 

[1] Mit Quality time ist hier die besondere Aufmerksamkeit der gemeinsamen Zeit in einer Gruppe gemeint. Quality time hebt sich vom Alltag ab und wird als qualitative Zeit wahrgenommen, die dem Alltag dient.

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5.6             Qualitätsanspruch

Das Qualitätsverständnis richtet sich im Kontext der OKJ auf die Arbeitsweise, welche durch stetige Weiterentwicklung einen möglichst hohen Mehrwert für junge Menschen, Kirche und Gesellschaft generieren soll. Eine qualitative Arbeit wird durch fachkundige Vorgehensweisen erreicht. Diese stützen sich auf fundierten Analysen, soliden Planungen, zielgerichteten Umsetzungen und empirischen Auswertungen. Das Qualitätsverständnis beinhaltet folglich eine selbstkritische Grundhaltung, welche stets nach den Potenzialen von Optimierung der geleisteten Arbeit Ausschau hält. 

Der Anspruch an einer qualitativ hochwertigen Arbeit hat in der OKJ einen hohen Stellenwert und motiviert sich unter anderem aus der Wertschätzung gegenüber jungen Menschen. Der Qualitätsanspruch richtet sich auch gegen quantitative Erwartungen bzw. Bewertungen, welche durch einen «ökonomischen Massstab» die Wirkungen von qualitativer Arbeit ausblenden. Erfolg zeigt sich für die OKJ folglich nicht primär durch eine grosse Teilnehmeranzahl, sondern orientiert sich an der Wirkung, die es bei den Teilnehmenden sowie ihrem Umfeld ausgelöst hat.[1] Der Qualitätsanspruch beinhaltet daher auch die Beharrlichkeit an einer wirkungsvollen Arbeitsweise festzuhalten, auch wenn die Anzahl der Teilnehmer*innen in der Startphase enttäuschend ausfallen. Denn mit dem Qualitätsanspruch geht auch die Überzeugung einher, dass qualitative Arbeit für alle Beteiligten attraktiv ist und weiteres Interesse weckt. 

Aus der Zusammenarbeit mit jungen Menschen weiss die OKJ, dass gerade Themen wie Glaube, Spiritualität und Religion eine Intimität beinhalten, welche eine vertrauensvolle Atmosphäre erfordert. Diese kann wiederum besser in kleinen Gruppen geschaffen werden. Das Interesse und die Bereitschaft der jungen Menschen stehen im Zentrum und deshalb darf die Arbeit nicht ausschliesslich einer Bilanz unterzogen werden, welche die eingesetzte Arbeitszeit auf möglichst viele junge Menschen anwenden will. 

OKJ benötigt darum Zeit, Offenheit und Flexibilität, um Vorgehensweisen zu entwickeln, die aus der vorgefundenen Situation wirkungsvolle Arbeit erzeugen. Jahresprogramme, welche den grössten Teil der Arbeitszeit bereits festlegen, verfehlen die wichtige Möglichkeit, «kairologische Momente» zu erkennen. Diese Momente ergeben sich aufgrund der Reaktionen junger Menschen auf die Zeichen der Zeit. Sie können nur in die Arbeit aufgenommen werden, wenn die Aufmerksamkeit gegenüber kairologischen Momenten als Qualitätsanspruch dem quantitativen Leistungsausweis übergeordnet wird. Wirkungsmodelle unterstützen dabei ein gezieltes Arbeiten und klären Erwartungen mit den Auftragsgeber*innen. Gemeinsam erarbeitete Wirkungsziele bilden dabei die Kernziele der OKJ[2] in angepasster Weise ab und sind dabei in einer Art formuliert, welche die Partizipation von jungen Menschen fördert. 

 

[1] Siehe weiter unten Kapitel 7 «Wirksamkeit».

[2] Siehe weiter unter Kapitel 6 «Kernziele».

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5.7                 Geschützte Integrität

OKJ schützt junge Menschen aktiv vor jeglicher Form der Ausbeutung, des Missbrauchs und der Diskriminierung, indem sie offen kommuniziert und Stellung bezieht. Als Teil der kath. Kirche arbeitet OKJ aktiv an der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der kath. Kirche mit, um daraus greifende Präventionsmassnahmen entwickeln zu können. Sie arbeitet dabei mit den Verantwortlichen ihrer Trägerschaften zusammen und trägt so zur Weiterentwicklung von Schutzkonzepten[1] bei. OKJ tauscht sich offen mit jungen Menschen über die skandalöse Seite der kath. Kirche aus. Sie tut dies im Bestreben, dass daraus Widerstandkraft und Sensibilität bei den jungen Menschen erwächst.

OKJ ist sich dem Gefälle in (seelsorgerlichen) Beziehungen mit jungen Menschen bewusst und reflektiert diese regelmässig, um das geforderte Mass an Sensibilität zu gewährleisten. Bei Formen des geistigen Missbrauchs oder der Missachtung katholischer Vielfalt der Glaubenswelt, interveniert die OKJ mit der geforderten Intensivität. Dem Klerikalismus hält sie entgegen, dass das «empfangene Amt» (CV 98) ein mit Selbstlosigkeit und Grossmut anzubietender Dienst ist.[2]

 

[1] Aufgrund der Richtlinien «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» der SBK wurden/werden Schutz-konzepte auf diözesaner Ebene entwickelt. Diese gilt es aufgrund von erweiterten Kenntnissen stetig weiterzuentwickeln.

[2] Vgl. CV 98 bzw. Ansprache zur Eröffnung der XV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode (3. Oktober 2018): L’Osservatore Romano (dt.), Jg. 48 (2018), Nr. 41 (12. Oktober 2018), 3.

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5.8                    OKJ und Religiosität

Die Themen Glauben, Spiritualität und Religion sind feste Bestandteile der OKJ und verlangen nach einem Profil, das für junge Menschen erkennbar ist. Junge Menschen sollen zur Gewissheit kommen, dass sie mit ihren Fragen, Anliegen und Suchprozessen bei der OKJ ein Gegenüber haben, welches sie fördernd unterstützt und begleitet. OKJ versteht sich als dienendes Angebot für alle junge Menschen, die einen Bedarf verspüren, ihre Glaubensvorstellungen und -überzeugungen weiterzuentwickeln und zu vertiefen.  

Die OKJ leitet das Interesse an der Glaubenswelt aller jungen Menschen und bezeugt dies in den Begegnungen und Gesprächen mit ihnen. Das Interesse an der Glaubenswelt der jungen Menschen zeigt sich im aktiven Zuhören und unterbindet ein Belehren und Korrigieren sowie eine Beurteilung, die auf richtiges zitieren oder verbaler Bezeugung von Glaubenssätzen beruht. Wo sie aufgrund ihrer konfessionellen Heimat Entwicklung und Vertiefung im Glauben bieten kann, kreiert sie zusammen mit den jungen Menschen passende Formate.

Sie arbeitet mit Personen und Organisationen anderer Kirchen und Religionen zusammen, damit junge Menschen in ihrer konfessionellen oder religiösen Heimat Entwicklung und Vertiefung in ihrem Glauben erleben können. In der interreligiösen Zusammenarbeit schafft sie Gefässe, in denen junge Menschen unterschiedlicher Religiosität untereinander in den Austausch kommen und gemeinsame Vorhaben umsetzen können.  

OKJ versteht Glauben und Religion als Teil des menschlichen Lebens, der sich in Gemeinschaften, der Gesellschaft und der Welt, insbesondere im Alltag, verwirklicht. Glaube, Spiritualität und Religion sind untrennbar mit weiteren Lebensrealitäten verknüpft. Darum arbeitet OKJ auch mit Institutionen und Organisationen der Zivilgesellschaft und dem Staat zusammen. Dabei geht es der OKJ um das Wohl der jungen Menschen und die Schaffung von Voraussetzungen, welche die Entwicklung und Entfaltung der jungen Menschen fördern.  

OKJ arbeitet aus ihrem «Proprium Christianum» heraus mit jungen Menschen und bezeugt in den Begegnungen mit jungen Menschen die erfahrende Gottesliebe. Dazu bedient sie sich nicht plakativer Redeweisen oder Praktiken, um ihr christliches Profil sichtbar zu machen. Vielmehr setzt sich OKJ selbstlos für junge Menschen ein und hegt dabei kein Interesse an Rekrutierung für die eigene Konfession. Sie schafft Gemeinschaften mit jungen Menschen, die von einer Atmosphäre geprägt sind, die Anfragen und Interesse an Glaubensfragen und Engagement für Mitmenschen – insbesondere für marginalisierte und an den Rand gestossene – erzeugen. Junge Menschen erfahren in der OKJ die Sorge um die Mitwelt und die Bereitschaft, Missstände aktiv anzugehen.  

Die Identität der OKJ zeigt sich folglich nicht primär an sichtbaren bzw. vernehmbaren Glaubensaussagen oder -praktiken, sondern im authentischen Interesse an (jungen) Menschen, der Kirche und der Gesellschaft. Sie anerkennt den Wert, wenn junge Menschen zusammen sind und gemeinsam ihre Zeit gestalten. Darum muss sie nicht durch deplatzierte oder inkohärente religiöse Gepflogenheiten einen scheinbaren religiösen Mehrwert schaffen.