6.1           Selbstwirksamkeit steigern

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Ausgangspunkt ist stets der junge Mensch mit seinen Fertig- und Fähigkeiten, auf denen die Arbeit der OKJ mit jungen Menschen basiert. Dabei ermutigt sie junge Menschen, ihrem Interesse, ihrer Betroffenheit oder ihrem Bedürfnis entsprechend aktiv zu werden. OKJ schafft in der Zusammenarbeit mit den jungen Menschen entsprechende Möglichkeiten, welche dazu animieren, Vorhaben zu wagen, auch wenn noch nicht klar ist, ob die bestehenden Kompetenzen dafür ausreichen. Junge Menschen sollen in diesen Prozessen selbst entscheiden, welche weiteren bzw. vertiefenden Kompetenzen sie erwerben möchten. Die intrinsische Motivation der jungen Menschen ist daher für die OKJ von zentraler Bedeutung, damit junge Menschen in den informellen Bildungssettings ihre Kompetenzen (weiter-) entwickeln bzw. ihr Wissen ausbauen können. Folglich ist es wichtig, dass die Umsetzungen für junge Menschen eine hohe Relevanz ausweisen, in ihrer Lebenswelt verankert sind und aufgrund ihres Engagement erkennbare Wirkungen sichtbar werden.

OKJ sieht sich primär als Akteurin der informellen Bildung, welche aus einem ganzheitlichen Bildungsverständnis entspringt. OKJ erachtet die informelle Bildung als wichtige Ergänzung zur schulischen Grund-, und tertiären Aus- und Weiterbildung.[1] Informelle Bildung basiert auf Herausforderungen und Aufgaben des Alltags, welche es zu meistern gilt und in der ehrenamtlichen/freiwilligen Tätigkeit. Daraus ergeben sich Lernmöglichkeiten, die relevante Anreize für den Erwerb von Kompetenzen und der individuellen Entfaltung des Menschen beinhalten. Informelle Bildung beruht auf Freiwilligkeit und intrinsischer Motivation. Daher verzichtet die OKJ jungen Menschen vorzugeben, über welche Kompetenzen sie aufgrund ihres Alters bzw. Entwicklungsstandes verfügen sollten. Vielmehr schafft sie in ihren Settings eine Atmosphäre, die zur Weiterentwicklung des eigenen Kompetenzprofils animiert bzw. zu vertieftem Wissen motiviert.

Für Aufgaben, Teamfunktionen oder Vertiefungen in Glaube und Religion bietet die OKJ entsprechende Bildungsmöglichkeiten an oder verweist auf Möglichkeiten aus ihrem Netzwerk. Diese Bildungsmöglichkeiten können auch non-formale Bildung enthalten, also Abschlüsse durch geprüfte Leistungen. Ziel dabei ist, dass junge Menschen dadurch die erforderliche Sicherheit erlangen und das Vertrauen in sich gewinnen.

Junge Menschen sollen durch ihre Beteiligung in der OKJ erleben, dass sie durch ihre Handlungen Wirkung erzeugen können. Die aktive Teilhabe von jungen Menschen in der OKJ bewirkt bei jungen Menschen Selbstwirksamkeitserfahrungen. Sie nehmen wahr, wie sie durch ihr Engagement Einfluss auf die Lebens- und Glaubenslage[2] nehmen können. Das Kernziel «Selbstwirksamkeit steigern» beinhaltet eine herausfordernde Haltung gegenüber jungen Menschen, welche die stärkende Entwicklung von jungen Menschen zum Ziel hat. Das gesteigerte Vertrauen in sich selbst soll sie für bestehende und zukünftige Herausforderungen in ihrem Leben, im Zusammenleben in Kirche und Gesellschaft und der Wahrung einer lebensdienlichen Mitwelt rüsten. Die Kirche und die Gesellschaft erfahren durch den Einbezug der jungen Menschen, dass sie relevante Akteur*innen für die Gegenwart und Zukunft sind.

 

[1] Aufgrund der staatliche anerkannten Abschlüsse zählen die schulische Grund-, und die tertiäre Aus- und Weiterbildung zur formalen Bildung. Vgl. dazu https://doku.berufsbildung.ch/download/dokubb/html/sites/6.5.1.html sowie https://www.sbfi.admin.ch/dam/sbfi/de/dokumente/grafik.1.pdf.download.pdf/grafik.pdf.

[2] Siehe dazu Kapitel 3.4 «Religionssoziologie».