5.8                    OKJ und Religiosität

Die Themen Glauben, Spiritualität und Religion sind feste Bestandteile der OKJ und verlangen nach einem Profil, das für junge Menschen erkennbar ist. Junge Menschen sollen zur Gewissheit kommen, dass sie mit ihren Fragen, Anliegen und Suchprozessen bei der OKJ ein Gegenüber haben, welches sie fördernd unterstützt und begleitet. OKJ versteht sich als dienendes Angebot für alle junge Menschen, die einen Bedarf verspüren, ihre Glaubensvorstellungen und -überzeugungen weiterzuentwickeln und zu vertiefen.  

Die OKJ leitet das Interesse an der Glaubenswelt aller jungen Menschen und bezeugt dies in den Begegnungen und Gesprächen mit ihnen. Das Interesse an der Glaubenswelt der jungen Menschen zeigt sich im aktiven Zuhören und unterbindet ein Belehren und Korrigieren sowie eine Beurteilung, die auf richtiges zitieren oder verbaler Bezeugung von Glaubenssätzen beruht. Wo sie aufgrund ihrer konfessionellen Heimat Entwicklung und Vertiefung im Glauben bieten kann, kreiert sie zusammen mit den jungen Menschen passende Formate.

Sie arbeitet mit Personen und Organisationen anderer Kirchen und Religionen zusammen, damit junge Menschen in ihrer konfessionellen oder religiösen Heimat Entwicklung und Vertiefung in ihrem Glauben erleben können. In der interreligiösen Zusammenarbeit schafft sie Gefässe, in denen junge Menschen unterschiedlicher Religiosität untereinander in den Austausch kommen und gemeinsame Vorhaben umsetzen können.  

OKJ versteht Glauben und Religion als Teil des menschlichen Lebens, der sich in Gemeinschaften, der Gesellschaft und der Welt, insbesondere im Alltag, verwirklicht. Glaube, Spiritualität und Religion sind untrennbar mit weiteren Lebensrealitäten verknüpft. Darum arbeitet OKJ auch mit Institutionen und Organisationen der Zivilgesellschaft und dem Staat zusammen. Dabei geht es der OKJ um das Wohl der jungen Menschen und die Schaffung von Voraussetzungen, welche die Entwicklung und Entfaltung der jungen Menschen fördern.  

OKJ arbeitet aus ihrem «Proprium Christianum» heraus mit jungen Menschen und bezeugt in den Begegnungen mit jungen Menschen die erfahrende Gottesliebe. Dazu bedient sie sich nicht plakativer Redeweisen oder Praktiken, um ihr christliches Profil sichtbar zu machen. Vielmehr setzt sich OKJ selbstlos für junge Menschen ein und hegt dabei kein Interesse an Rekrutierung für die eigene Konfession. Sie schafft Gemeinschaften mit jungen Menschen, die von einer Atmosphäre geprägt sind, die Anfragen und Interesse an Glaubensfragen und Engagement für Mitmenschen – insbesondere für marginalisierte und an den Rand gestossene – erzeugen. Junge Menschen erfahren in der OKJ die Sorge um die Mitwelt und die Bereitschaft, Missstände aktiv anzugehen.  

Die Identität der OKJ zeigt sich folglich nicht primär an sichtbaren bzw. vernehmbaren Glaubensaussagen oder -praktiken, sondern im authentischen Interesse an (jungen) Menschen, der Kirche und der Gesellschaft. Sie anerkennt den Wert, wenn junge Menschen zusammen sind und gemeinsam ihre Zeit gestalten. Darum muss sie nicht durch deplatzierte oder inkohärente religiöse Gepflogenheiten einen scheinbaren religiösen Mehrwert schaffen.