5.1          Beziehung und Animation

Beziehung kann in der OKJ nie Selbstzweck sein, da Beziehung in der OKJ stets auf die Entwicklung und Förderung von jungen Menschen zielt: «Durch die Wegbegleitung sollen junge Menschen in ihrer persönlichen Entfaltung unterstützt werden.»[1]

Das entscheidende Subjekt in der OKJ ist in jedem Moment der junge Mensch mit seinen Interessen, Anliegen und Fragen einerseits und mit seiner immer schon gegebenen Gottesbezogenheit[2] andererseits. Dass junge Menschen ihre Interessen oder Anliegen kirchlichen Jugendarbeitenden anvertrauen oder sich auf eine Auseinandersetzung mit der eigenen Gottesbeziehung («Sich-Nahen»[3]) einlassen (können), setzt einen Erlebnis- und/oder einen Resonanzraum[4] voraus. Die dafür nötige Beziehungsarbeit und -pflege ist für kirchliche Jugendarbeitende zentral und soll folglich im Bewusstsein der Wichtigkeit im Arbeitsalltag von kirchlichen Jugendarbeitenden genügend Zeit in Anspruch nehmen dürfen.

Damit die Beziehungsarbeit und -pflege Früchte tragen kann, benötigt es immer auch Animation. Offene kirchliche Jugendarbeit versteht Animation als «provokare»[5] mit dem Ziel, dass der junge Mensch dahingehend animiert wird, «bereits vorhandene Ressourcen in sich zu entdecken, diese einzusetzen und seinen Vorstellungen und Interessen nachzugehen»[6]. Jungen Menschen soll so die Möglichkeit gegeben werden, sich mit ihrem Innersten auseinandersetzen und Verborgenes/das Göttliche entdecken und artikulieren zu können.

Beziehung und Animation verhalten sich gemäss dem Verständnis offener kirchlicher Jugendarbeit reziprok. Dies bedeutet, dass das Eine immer auch das Andere bedingt bzw. bewirkt. Ohne Animation ergibt sich keine Beziehung; ohne Beziehung gelingt keine Animation. Je nach Kontext und Situation steht Beziehung oder Animation am Beginn eines Prozesses, in jedem Fall aber führt das Eine zum Anderen. Je tiefer diese mehrdimensionale Verwiesenheit von Beziehung und Animation gelingt, desto fruchtbarer, bereichernder und nachhaltiger wirkt offene kirchliche Jugendarbeit; für alle Beteiligten.

 

[1] Klarsicht, Kapitel 2.4.

[2] Vgl. Kapitel 3.6 «Konzept der Mystatogie».

[3] Vgl. Kapitel 3.6 «Konzept der Mystatogie».

[4] Vgl. Kapitel 2.2 «OKJ als Resonanzraum».

[5] Vgl. dazu Filliger Koller, Priska (Hg.): geistvoll. Werkbuch Spiritualität in der kirchlichen Jugendarbeit, St. Gallen: Rex Verlag, 12020, 46.

[6] Klarsicht, Kapitel 2.4.