5.3           Generationenverbindend

Junge Menschen haben ein feines Gespür für die Gegenwart, für das Jetzt und was es bedeutet, in diesem Jetzt zu leben und zu über-leben.[1] Diesem Sensorium von jungen Menschen, die Zeichen der Zeit wahrzunehmen und zu erkennen, müssen die offene kirchliche Jugendarbeit zusammen mit Erwachsenen, ohne bevormundend zu sein, Sorge tragen.

Erwachsene spielen im Heranwachsen von jungen Menschen eine bedeutende Rolle. Gerade Grosseltern haben des Öftern einen ganz eigenen, sehr engen Zugang zu den Heranwachsenden. Papst Franziskus ist der Dialog und Austausch zwischen den Generationen sehr wichtig und hat dies jungen Menschen im Zuge einer Begegnung im Kontext der Jugendsynode 2018 am 6. Oktober 2018 an Herz gelegt:

«Sprecht mit den alten Menschen, sprecht mit den Großeltern: sie sind die Wurzeln, die Wurzeln eurer Konkretheit, die Wurzeln eures Wachstums, Gedeihens und Fruchtens. […] Hängt euch an die Wurzeln, bleibt aber nicht dort. Nehmt die Wurzeln und bringt sie voran, um Früchte zu tragen, und auch ihr werdet zu Wurzeln für die anderen.»[2]

Ähnliches hat Papst Franziskus älteren Menschen in Riga im September 2018 gesagt:

«Ihr, die ihr viele Zeiten durchlaufen habt, vergesst nicht, dass ihr Wurzeln eines Volkes seid, Wurzeln junger Triebe, die blühen und Früchte tragen sollen; bewahrt diese Wurzeln, haltet sie am Leben, damit die Kinder und jungen Menschen sich daran veredeln können […]».[3]

Als Wurzeln sind ältere Menschen inspirierende Vorbilder. Vorbilder im Ertragen und Hoffen. Im Ertragen von Dingen, die für junge Menschen heute selbstverständlich sind. Im Hoffen auf Dinge, die für junge Menschen heute keinen Traum mehr wert sind. Weil ältere Menschen «Ertragen» und «Gehofft» haben, können junge Menschen aus den ihnen gegebenen Möglichkeiten schöpfen.

OKJ setzt sich dafür ein, dass dieser so wertvolle Dialog und Austausch zwischen den Generationen nie verstummt. Sie versteht junge Menschen als gleichwertigen Teil der Kirche und der Gesellschaft. Dies kann sie nur erreichen, wenn ihre Arbeit junge Menschen nicht isoliert, sondern sie mit den Generationen in Kirche und Gesellschaft in Beziehung setzt. Projekte, Anlässe, Aktivitäten etc. im Rahmen der OKJ müssen nicht immer ausschliesslich für junge Menschen sein. Wo es der Kontext erlaubt bzw. sogar sinnvoll ist und für alle Beteiligten einen Mehrwert hat, dürfen und sollen mehrere Generationen an Projekten, Anlässen, Aktivitäten etc. der OKJ teilhaben/partizipieren.

 

[1] Vgl. Kapitel 4.3 «Junge Menschen sind Seismographen und Protagonist*innen».

[2] Papst Franziskus: Ansprache bei der Begegnung der Jugendlichen mit dem Heiligen Vater und den Synodenteilnehmer, 6. Oktober 2018: http://www.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2018/october/documents/papa-francesco_20181006_giovani-sinodo.html (zuletzt abgerufen am: 10. Oktober 2020).

[3] Papst Franziskus: Grussadresse beim Besuch der katholischen Jakobskathedrale (Lettland), 24. September 2018: http://www.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2018/september/documents/papa-francesco_20180924_visitasangiacomo-riga-lettonia.html (zuletzt abgerufen am: 10. Oktober 2020).