5.5         Partizipative OKJ

Partizipation beinhaltet Freiwilligkeit und allen Beteiligten offenstehende, gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse. In einem durch Diskurs geprägten Prozess der Entscheidungsfindung werden Verbindlichkeit und Verantwortungsübernahme vereinbart. Partizipation weist eine Sensibilität gegenüber den Verhältnissen der Macht in diesen Prozessen aus und strebt dabei eine möglichst ausgeglichene Verteilung an. Im Stufenmodell nach Roger Hart wird deutlich, dass Partizipation verschiedenen Grade ausweisen kann. In der Zusammenarbeit mit jungen Menschen sucht OKJ daher immer nach dem möglichen und passenden Grad der Partizipation. Einen entsprechenden Partizipationsgrad zu wählen bzw. auszuhandeln gewährleistet, dass keine Unter- oder Überforderung produziert wird. Dabei versteht OKJ das Stufenmodell nicht als Leiter, die man mit zunehmenden Alter oder durch vergangene Beteiligungen hinaufsteigt. In einem Projekt können in den dazugehörenden Teilbereichen verschiedene Grade der Partizipation angewendet werden.

Partizipation beschränkt sich nicht auf die Mitbestimmung. Vielmehr fördert sie die Beteiligten zur aktiven Teilnahme und verbindlichem Mitwirken. Sie schliesst die Interessen, Ressourcen und Sichtweisen der Beteiligten mit in das Vorhaben ein und schafft so präzisere und wirkungsvollere Resultate. Aus diesen Gründen arbeitet OKJ partizipativ und unterstützt dabei junge Menschen früh Verantwortung zu übernehmen und damit Erfahrungen machen zu können. OKJ ist sich auch bewusst, dass sich aus unklaren Partizipationsrahmen Frustrationen ergeben und Scheinpartizipation demotivierend wirken. OKJ anerkennt, dass Partizipation als Menschenrecht verstanden wird und Teil der UN-Kinderrechtskonvention ist.

Von den jungen Menschen fordert OKJ eine aktive Beteiligung und nimmt eine kritisch-distanzierte Grundhaltung gegenüber reinen Konsumbedürfnissen ein. OKJ begegnet konsumorientierten Bedürfnissen von jungen Menschen jedoch differenziert und steht für Formen zur Verfügung, die als Quality time[1] erlebt werden.

Von der Kirche, Gesellschaft, Politik fordert OKJ echter Teilhabe, Mitentscheidung und Mitwirkung junger Menschen. OKJ sieht Kirche dazu verpflichtet, jungen Menschen Räume der Selbstbestimmung und Selbstverwaltung bereitzustellen, in denen sie altersentsprechend Kirche verwirklichen können. Sie kritisiert Alibi-Teilhabe und weist darauf hin, wenn die Prozesse mit Formaten gestaltet sind, welche die Partizipation von jungen Menschen verunmöglichen oder erschweren. OKJ stellt sich zur Verfügung, gemeinsam adäquate Settings zu finden, in denen junge Menschen und Erwachsene gemeinsame Prozesse und Entscheidungen vollziehen können.

 

[1] Mit Quality time ist hier die besondere Aufmerksamkeit der gemeinsamen Zeit in einer Gruppe gemeint. Quality time hebt sich vom Alltag ab und wird als qualitative Zeit wahrgenommen, die dem Alltag dient.